Wartungsarbeiten in der Woche vom 27. Juli:
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Die Kultisten unterbrachen ihr Ritual, als sie merkten, daß die Magierin Velaya versuchte, einen von ihnen mit ihrem geweihten Ankh zu berühren und drehten sich zu ihr um. Velaya mußte in Sekunden entscheiden, wie sie weiter vor ging und entschied sich dafür, keine Schwäche zu zeigen. Sie schnauzte den Kultisten an, der sie eben ansprach: „Sagt mir lieber, was das hier soll! Einer liegt auf dem Boden, fünf Kuttenträger stehen um ihn herum und murmeln Beschwörungen. Wißt Ihr eigentlich, wie verdächtig das aussieht?“
Die Bretonin gab Jadzia und Fareniel mit einer Handbewegung zu verstehen, daß sie warten sollten. Der Wortführer der Kultisten antwortete: „In Schildwacht ist eine mächtige Gestalt erschienen. Sobald er die Stadt betrat, vergilbten die Blätter der Pflanzen. Und es kursieren Gerüchte in ganz Tamriel wegen dieser Schatten...“
Die Magierin kam zu dem Schluß, daß keine unmittelbare Gefahr von den Kultisten ausging. Sie winkte ihre Freundinnen heran, damit sie alle Informationen mitbekamen. Außerdem sollte ihre Präsenz die Kuttenträger einschüchtern, damit sie friedlich blieben. Velaya führte das Wort ihrer Gruppe: „Könnt Ihr mir sagen, was sich noch in Schildwacht verändert hat?“
Der Kultist antwortete: „Die Leute benehmen sich seltsam. Die Wachen bestehlen die Händler, die Händler betrügen ihre Kunden, die Kunden wiederum bestehlen die Händler. Die Bürger spinnen Intrigen und es kommt kein wahres Wort über ihre Lippen.“ Die Bretonin hakte nach: „Habt Ihr zufällig den Namen des Schattenfürsten vernommen?“ Die Information wäre wichtig für weitere Nachforschungen. „Nein“, entgegnete der Kultist. „Wir wagen uns auch nicht mehr in die Stadt hinein. Wir waren nur kurz darin und nachdem wir merkten, daß dort etwas nicht stimmt, sind wir eilig davon.“
Fareniel setzte nach: „Ja, schön und gut. Da tun sich neue Fragen auf. Warum wurdet Ihr nicht sofort in den Bann des Schattenfürsten geschlagen und was sollte das Ritual vorhin bewirken?“ Ein anderer Kultist gab dafür die Antwort: „Siehst Du unsere Kutten? Wir gehören zu einem Nekromantenorden...“ Da verstand Fareniel und ergänzte: „Aha, Ihr wolltet dem Schattenfürsten Eure Dienste anbieten, richtig?“ Der Sprecher scharrte mit dem linken Fuß im Sand und blickte zu Boden. Eiskalt erwischt...
Velaya als Magierin wußte aufgrund ihrer Studien auch etwas über Nekromantie Bescheid und erklärte: „Vermutlich haben sie als Totenbeschwörer eine antrainierte höhere Resistenz gegenüber dem Einfluss der Schattenfürsten.“ Fareniel nickte und wollte etwas sagen, da unterbrach sie der Kultist: „Deswegen sind wir doch nicht böse oder feindlich. Nekromantie kann richtig angewendet auch zum Guten verwendet werden!“ Die Hüterin Farenil schüttelte den Kopf und meinte: „Habt Ihr denn jedesmal die Erlaubnis des betroffenen Toten, um mit ihm solche Sachen zu machen? Ich wette, die habt ihr nicht. Also ist Euer Handeln ein Gräuel und wider die Natur!“
Velaya hob die Hand und unterbrach Fareniel: „Das hilft uns gerade nicht weiter!“ Jadzia stimmte nickend zu. Fareniel hatte als Hüterin einen richtigen Zorn auf Nekromanten, deutete mit dem Finger auf die Kultisten und wurde nun lauter: „NEIN! Nekromantie ist ein widernatürlicher Gräuel und wenn ich Euch dabei erwische, werdet Ihr das bereuen!“ Die Kultisten wichen unwillkürlich einige Schritte zurück. Besonders mutige Leute waren das definitiv nicht.
Jadzia versuchte zu beruhigen und sagte zu den Kultisten: „Hört mal, dieser Schattenfürst ist einige Nummern zu groß für Euch. Ich rate Euch, von hier zu verschwinden und diesen Wesen aus dem Weg zu gehen, wenn Ihr ihnen begegnet. Es gibt drei von ihnen und sie manipulieren ihre Umgebung auf verschiedene Weise. Sie ernähren sich von den Gefühlen der Angst, der Hinterlist oder dem Hass der Lebenden, auch Eurer. Und Eure Resistenz gegen ihre Magie ist sicher nicht von Dauer! Also seid froh, so glimpflich davon zu kommen und verschwindet von hier!“ Das ließen sich die Kultisten nicht zwei mal sagen. Sie packten ihre Utensilien zusammen und verschwanden über die Dünen der Alik'r-Wüste.
Die drei Frauen schauten den Kultisten noch einen Moment nach, dann meinte Velaya: „Nun, wir wissen nun, daß in Schildwacht der Schattenfürst ist, der die Bewohner mit Falschheit schlägt. Schade, daß die Kultisten seinen Namen nicht kannten, der wäre für uns sicher noch wichtig.“ Die Heldinnen setzten sich in Bewegung. Jadzia ging die Sache besonders nahe wegen ihrer Verwandten hier. Sie sagte: „Ich habe ein mulmiges Gefühl. Hoffentlich geht es meinem Onkel und seiner Familie gut...“
Durch das Gespräch mit den Nekromanten hatten sie Zeit gespart. Sie wußten bereits, daß hier die Falschheit regiert und stellten sich darauf ein. Ihre Schutzamulette und das Ankh schirmten sie von den bösen Einflüssen wirksam ab. Als sie sich Schildwacht weiter näherten, sahen sie das, was die Kultisten erwähnt hatten. Die ohnehin schon spärlichen Pflanzen waren alle vergilbt und verdorrt. Ihnen wurde das Leben herausgesaugt. Velaya's Ankh reagierte darauf. Es glimmte in einem grünlichen Schimmer. Kynareth's Segen sorgte auch hier wieder dafür, daß sich die Natur um sie herum erholte.
Jadzia hob den Deckel einer Wassertonne an, um sie zu inspizieren. Wasser war für die Rothwardonen eben von besonderer Wichtigkeit. Es wurde ihnen nicht einfach geschenkt, sie mußten für jeden Tropfen Arbeit investieren. Die Templerin winkte ihre Freundinnen heran und sagte: „Schaut! Das Wasser ist verdorben. Das kann keiner mehr verwenden!“ Velaya machte einen Versuch und berührte das Wasser mit dem Ankh, aber dadurch wurde das Wasser nicht wieder brauchbar. Sie meinte: „Schade. Bleibt zu hoffen, daß die Wassersammel-Zisternen genügend haben, damit hier keine Durstkatastrophe ausbricht.“
Fareniel merkte an: „Heute geht es schon zum Abend hin. Aber morgen, wenn die Mittagshitze wieder herrscht, werden die Schildwächter ein Problem haben...“ Die Bretonin meinte: „Stimmt. Aber darum können wir uns jetzt nicht kümmern.“ „Dort vorne ist das Haus meiner Familie.“ meinte Jadzia. Und auf dem Platz davor hatte es sich der Schattenfürst bequem gemacht und ließ sich von den Einwohnern der Stadt huldigen. Er erkannte die drei Reisenden und reagierte sofort.
Das gemeinsame Tafeln mit dem Hofstaat von Regentin Alwynarwe war in vollem Gange. Diego hatte den staunenden Gästen einige fesselnde Geschichten zu erzählen, was ihm ein zusätzliches Trinkgeld einbrachte, die eines Barden würdig wären. Spannend erzählen konnte er. Abenteuer hatte er zusammen mit seinen Freunden schließlich genug bestanden.
Er erzählte den Anwesenden von den frühesten Abenteuern in einer Gefangenenkolonie, in der er seine Gefährten Nilfton, Chester, Korn und den uns weiterhin namentlich unbekannten Ritter kennen gelernt hatte. Alleine die Geschichten aus dieser Zeit reichten aus um den ganzen Abend bis in die Nacht zu füllen. Diego hatte ihnen erzählt, daß zu dieser Zeit in jenem Königreich Leute schon wegen geringster Vergehen in die Gefängniskolonie geworfen wurde. Sie wurden mißbraucht als Sklavenarbeiter, deren Aufgabe es war, wertvolle Rohstoffe und magisches Erz zu schürfen. Im Austausch dafür erhielten sie von außerhalb regelmäßig Güter, die sie in der Kolonie nicht selbst herstellen konnten, auch Luxusgüter und gelegentlich auch... Frauen.
Es herrschte dort damals das Faustrecht. Das Recht des Stärkeren. Wer sich nicht durchsetzen konnte, war so gut wie tot, wenn er keinen Protektor fand. So waren die Neugefangenen dazu gezwungen, sich einer bereits bestehenden Bande oder Gruppe anzuschließen und sich deren Regeln zu unterwerfen. Er erzählte ihnen gerade von dem Aufstand in der Burg der Gefängniskolonie, bei dem am Ende der selbsternannte Baron, eher eine Art Banditenoberhauptmann, ins Gras beißen mußte. Niedergestreckt vom namenlosen Ritter erzeugte dies eine Ereigniskette, die dazu führte, daß die Gefangenen aus der Kolonie entfliehen konnten. Auch Diego und seine Freunde, die danach noch viele andere Abenteuer bestanden. Auch die uns bestens bekannte Magierin Velaya entkam so aus der Gefängniskolonie und konnte anschließend ihr jetziges Leben beginnen. Diego und Velaya hatten in der Kolonie jedoch kaum miteinander zu tun, da sie nur eine der Konkubinen des Erzbarons war und sich außerhalb der Burg kaum zeigen konnte.
Mit den Geschichten zog er auch die Dienerschaft und die Wachen der Königinnen-Stellvertreterin in seinen Bann, die, um ihm besser zuhören zu können, sogar ihre Posten verlassen hatten. Alwynarwe zeigte dafür sogar Verständnis und verzichtete darauf, sie zu schimpfen. Doch Arwenarwe rügte die Wachen und schickte sie an ihre zugewiesenen Plätze. Diego tat den Ärmsten den Gefallen und sprach daraufhin deutlich lauter. Die akustisch genial konstruierten Gewölbe verstärkten seine Stimme so weit, daß wahrscheinlich der gesamte Palast mithören konnte. Immerhin gestand die Sicherheitschefin den vor dem Palast stehenden Wachen ausnahmsweise zu, sich im Eingangsbereich bei offenem Tor zu postieren.
Das laute Sprechen war natürlich anstrengend. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zwischendurch zu pausieren. Wein war genug da, doch der Meisterdieb hatte einen Auftrag zu erfüllen, bei dem er nüchtern bleiben mußte. Deswegen hielt er sich mit Wein zurück und hielt sich an Wasser und Fruchtsaft.
Schließlich war Mitternacht vorüber. Der Hofstaat hatte reichlich Alkohol konsumiert. Die Sicherheitschefin Arwenarwe hatte jedoch stets persönlich darauf geachtet, daß die Wachen es damit nicht übertrieben. In diesem Punkt war Diegos Plan also nicht aufgegangen. Er hatte gehofft, daß sich auch die Wachen derart betrinken würden, daß sie danach dienstunfähig waren. Aber nun ja, er war hier bei Hochelfen zu Gast und nicht bei den Nord im Ebenherz-Pakt-Gebiet, den Orsimern in der Dolchsturz-Pakt-Einflußsphäre oder am Hof von Ard Caddach im Reik...
Einige der Adligen waren betrunken auf ihren Sitzplätzen eingeschlafen. Einige Diener waren dabei, sie bequemer zu plazieren und schoben ihnen Kissen an die empfindlichen Stellen. So mancher lag bereits unter dem Tisch und schlief seinen Rausch aus. Nun, zumindest diese Leute würden ihm in dieser Nacht nicht in die Quere kommen.
Diego hatte sich gerade in die Wachstube zurück gezogen, die ihm zur Übernachtung zugeteilt wurde. Er saß auf dem Stuhl neben seinem Bett und überlegte gerade, wie er die Wachen und Arwenarwe ausschalten konnte. Doch so sehr er überlegte, er fand keinen Weg. Diese Frau war einfach zu wachsam und wenn der Meisterdieb im Kerker landete, wäre die Mission gescheitert und die Frauengruppe müßte die Sache ohne die Macht des Dämonenauges durchziehen. Mußte er seinen Plan verwerfen?
Während er also darüber nachdachte, trat Arwenarwe plötzlich mit festem Schritt in die Wachstube ein. Zwei Wachen traten hinter ihn und auf ein Zeichen ihrer Vorgesetzten nötigten sie Diego dazu, Arwenarwe zu folgen. Die ganze Szene verlief weitgehend wortlos. Eine Wahl hatte er kaum, also fügte er sich und sparte sich das Protestieren. Das Ziel war ihr Arbeitszimmer, keine Gefängniszelle. Immerhin... Es ging wohl darum, daß nicht der ganze Hofstaat das Gespräch mitbekommen sollte.
Der Bretone musterte den Raum. Der Weg zur Tür war durch die beiden Wachposten versperrt. Das große Fenster hatte ein stabiles Gitter. Er würde also die Fragen beantworten müssen. Er wollte etwas sagen, doch Arwenarwe wischte die Bemerkung sofort beiseite. Jetzt sprach sie! Ihr Tonfall war nicht unfreundlich, aber dennoch bestimmt. Sie sprach in Zimmerlautstärke.
„Händler, Deine Geschichten waren wirklich sehr spannend und auch sehr aufschlußreich. Damit hast Du zugegeben, früher in einer Gefangenenkolonie gewesen zu sein. Du sagtest zwar, man kam schon aus geringem Anlaß dort hin, aber ich frage mich trotzdem, warum Du dort warst und ob DU möglicherweise zurecht verurteilt wurdest! Nun?“
Diego schluckte einen Moment. Darauf war er nun nicht vorbereitet. Vielleicht hätte er besser eine andere Geschichte erzählt, verdammt! Sein Zögern war der Sicherheitschefin Antwort genug. Sie meinte: „Laß gut sein, es ist nicht mehr von Bedeutung ich habe meine Antwort! Für mich stehen zwei Dinge fest: Erstens: Du bist KEIN Händler. Und zweitens: Du hast, das konnte ich Deinen Geschichten entnehmen, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und bist kein schlechter Mensch. Dennoch würde ich wetten, daß Du ein Meisterdieb bist und hier versucht hast, eine Tarnung aufzubauen. Du hast Flüchtigkeitsfehler gemacht, die einem Meisterdieb bei einem sorgfältig geplanten Raubzug nicht geschehen wären. Du stehst also unter Zeitdruck! Sag mir einfach, warum Du wirklich hier bist und versuche nicht mich weiterhin zu täuschen! Das haben andere vor Dir schon versucht und bitter bereut. Manche von ihnen sitzen immer noch im Kerker!“ Sie schlug dabei mit ihrer gepanzerten Faust auf den massiven alinorischen Schreibtisch. „Also? Was ist hier wirklich los? Wenn mir Deine Antwort nicht gefällt, schleife ich Dich angesichts Deines spärlichen Haares persönlich an den Ohren in die Verhörzelle!“
OK, damit war Diegos Plan vollkommen gescheitert. Es gab jetzt nur noch eine Chance, seine Mission zu retten, also Nirn zu retten. Er mußte Arwenarwe die gesamte Geschichte erzählen und durfte dabei nicht mehr lügen. Nur noch die Wahrheit! Wenn das nichts bringt, war es sowieso schon egal. Also legte er alle Karten offen auf den Tisch...
Der Schattenfürst hatte die drei Frauen wohl schon gespürt, bevor sie zu sehen waren. Oder vielmehr ihre Schutzamulette und das Ankh. Er hatte bereits Vorbereitungen getroffen und eine kleine Armee aus schwarzen Schattenskeletten unterschiedlicher Art beschworen. Ihm war aufgrund der vergangenen Erfahrung seinesgleichen mit den Heldinnen sehr wohl bekannt, daß ein Kontakt zu ihnen mindestens schmerzhaft war.
Velaya flüsterte zu Jadzia und Fareniel: „Der hat sich vorbereitet! Aufpassen!“ nebenbei beschwor sie einen Clanbann und eine Zwielichtschwinge und wechselte in ihre Blitzgestalt. Jadzia nickte: „Vermutlich weiß er, daß wir ihn noch nicht endgültig besiegen können.“ Die Templerin setzte ihre Segenszauber ein. Sie würde zugleich heilen als auch kämpfen und die Gegner auf sich ziehen müssen. Fareniel wisperte während sie ihren Kampfbären beschwor: „Sie werden ihre Gangart ändern und uns schnellstmöglich töten wollen, bevor wir einen Weg finden, sie zu vernichten!“ Die Waldelfe müßte für Schaden sorgen und nur dann heilen, wenn Jadzia verhindert war.
Eigentlich hätte der Kampf nun beginnen müssen, doch die drei Frauen hörten die Stimme des Schattenfürsten in ihren Köpfen. Er kommunizierte mit ihnen mittels Telepathie: „Warum stellt Ihr Euch gegen uns?`Unser Meister Molag Bal sagte uns, er hätte Euch früher schon angeboten, einen Teil seines Reiches zu regieren. Schließt Euch uns an und herrscht wie Wölfe über Schafe! Diese Kreaturen sind schwach, im Gegensatz zu Euch. Ihr könntet über Tamriel herrschen, sobald unser Meister es an sein Reich anbindet! Er würde Euch mit großer daedrischer Macht ausstatten! Ihr könntet zu Molag Bals Bräuten werden, zu Vampirfürsten aufsteigen und ewig leben! Ihr müßt dafür nur Molag Bal als Euren Gott akzeptieren und ihm die Treue schwören.“
Jadzia schmetterte ihm ihre Antwort entgegen. Da sie Telepathie nicht beherrschte, laut und deutlich: „Das nennst Du Aufstieg? Das wäre der tiefste Abstieg, den ich mir vorstellen kann und jetzt verschwinde von hier, oder wir versohlen Dir den daedrischen Hintern!“ Dem hatten Velaya und Fareniel nichts hinzuzufügen. Sie nickten nur.
Damit waren genug Worte gewechselt. Der Schatttenfürst trank von der Lebensenergie der Bewohner von Schildwacht. Nur die drei Heldinnen waren durch ihre Amulette geschützt. Als er nach einigen Sekunden genug Lebensenergie abgesaugt hatte, brach eine Finsternis über Schildwacht herein, wie es sie hier noch nie gegeben hatte. Sturm brauste auf und wehte den Sand in die Luft Velaya rief: „Das ist wie in Kalthafen!“
Und tatsächlich veränderte sich der Himmel. Statt der gewohnten Wolken waren seltsame dunkle, entartete Wolken zu sehen. Sie wirkten wie eine teigige Masse. Blitze durchzuckten den Himmel, aber es waren nicht die normalen Gewitterblitze. Die Vegetation in Schildwacht wurde aschgrau und spröde. Fareniel nahm eines der Pflanzenblätter in ihre Hand und konnte es mühelos zerbröseln.
Velaya wollte ihr Ankh gerade aktivieren, da traf sie eine umher wehende Planke am Kopf. Für einen Moment war sie zu benommen, um zu reagieren. Jadzia warf Krähenfüße auf den Boden und sorgte so für einen verlangsamten Vormarsch der Schattenskelette, Fareniel versuchte die Skelette mit ihren Pfeilen zu treffen, doch der Sturm war zu heftig und wehte die Pfeile aus ihrer Bahn. Kein einziger traf sein Ziel. Sie mußte in den Nahkampf gehen.
Velayas Zwielichtschwinge heilte die Magierin. Die Benommenheit nahm wieder ab. Doch genau da traf sie der magische Pfeil eines der Skelettbogenschützen. DEREN Pfeile hatten offensichtlich kein Problem, ihre Ziele zu treffen, der Wind konnte ihnen nichts anhaben. Kurz nachdem sie von einem der Pfeile getroffen wurde, verpuffte der Pfeil in einer schwarzen Wolke. Das waren keine normalen Pfeile. Das waren Schatten, die erst für einen Moment materiell wurden, wenn sie ihr Ziel trafen.
Nun, zum Glück blieben sie dann nicht im Körper stecken, aber Wunden schlugen sie dennoch. Jadzia beschwor einen Heilkreis auf dem Boden. Velaya und Fareniel stellten sich hinein und so schlossen sich ihre Wunden allmählich wieder. Die Templerin stürmte ein Skelett nach dem anderen an und brachte sie so zum Wanken. Das hatte zur Folge, daß sich die Gerippe auf Jadzia konzentrierten. Fareniel setzte mit ihren beiden Schwertern nach und nutzte die Situation aus, um die Skelette mit den Schwertern zu zertrümmern. Schwerter waren nicht unbedingt die besten Waffen gegen Skelette. Stiche konnten ihnen nicht viel anhaben, wenn sie die Luft zwischen den Knochen trafen. Ein Zweihand-Kriegshammer wären der Hüterin in diesem Kampf lieber, dachte sie sich.
Plötzlich versperrte ein großes Skelett mit Schwert und Schild ihren Weg, verpaßte der Hüterin einen Schildschlag, der sie zu Boden riß. Als das Skelett mit dem Schwert zustechen wollte, rammte Jadzia das Skelett mit ihrem Schild und stieß es zurück. Als nächstes traf sie ihn mit einem Templer-Lichtzauber so empfindlich, daß das Skelett in einem stummen Schrei verging und sich in einer dunklen Wolke auflöste. Zurück blieb eine schwarze Pfütze auf dem Boden.
Velaya hatte ihre Magierschilde hochgefahren, die sich als recht effektiv gegen die magischen Pfeile erwiesen. Mit ihren Blitzzaubern schnitt sie tiefe Schneisen in die Reihen der heranstürmenden Skelette. Doch die Horden lenkten sie zu sehr ab, als daß sie die Macht ihres Ankhs entfesseln konnte. Dafür müßte sie sich einen Moment konzentrieren können.
Die Schattenskelette ließen immerhin die Bewohner von Schildwacht in Ruhe. Aber nicht aus reiner Herzensgüte, sondern weil sich der Schattenfürst zwischendurch immer wieder an ihrer Lebensenergie nähren mußte. Dafür mußten sie am Leben bleiben. Je länger der Kampf dauerte, desto schwächer würden die Bewohner werden. Einige könnten bei dem Vorgang sterben. Das wußten auch die Heldinnen. Damit waren sie im Nachteil, denn im Gegensatz zum Schattenfürsten war es ihnen nicht egal, ob die Stadtbewohner dies überlebten.
Jadzia war klar, daß sie Velaya irgendwie genug Luft und Zeit verschaffen müßte, damit sie endlich dazu kam, das Ankh einzusetzen. Fareniel hatte denselben Gedanken und schrie zu Jadzia: „Wir müssen unsere Fähigkeiten kombinieren! Mach einen Schutzwall um Velaya!“ Jadzia verstand und zauberte direkt unter Velaya eine Schutzrune aus Licht. In diesen Bereich würden die Schatten nicht eintreten können, ohne furchtbare Schmerzen und Schaden zu erleiden.
Fareniel richtete ihren Eisschild auf die Schutzrune. Dadurch wurde eine Eiswand am Rand der Rune erzeugt, die die Schattenpfeile abprallen ließ und in die Richtung der Skelettschützen reflektierte. Gegen ihre eigene Magie waren sie offenbar nicht immun. Jeder sie selbst treffende Schattenpfeil löste das getroffene Skelett in Rauch auf.
Jadzia stand nun mit ihrer schweren Rüstung zwischen Velaya und den dezimierten Angreifern. Velaya hatte endlich die Gelegenheit, ihre Magie im Ankh zu kanalisieren. Das Ankh begann zu pulsieren. Es kam noch nicht sofort gegen die Schattenmagie an. Velayas Magie lud das Artefakt immer weiter auf. Nun richtet auch Fareniel ihre Eismagie darauf in der Hoffnung, den Ladevorgang zu beschleunigen. Jadzia mußte inzwischen ein Trommelfeuer an Schlägen stand halten. Fareniel müßte zwischendurch die Templerin heilen, weil sie selbst immer schwächer wurde.
Schließlich war es geschafft. Das Ankh entlud seine Macht über ganz Schildwacht. Ein gleißendes Licht erfaßte das gesamte Schlachtfeld und brachte den Sturm zum versiegen. Nun konnte Fareniel endlich wirksam mit ihrem Bogen arbeiten. Während sie Jadzia einige Angreifer von der Pelle wegschoß, konzentrierte sich ein mächtiger Strahl aus gleißendem Licht und traf den Schattenfürsten voll. Ein gellender Schrei, der nicht akustisch, aber telepathisch zu hören und energetisch zu spüren war, und der Schattenfürst war gezwungen, sich in ein rot leuchtendes Portal zurückzuziehen. Die Stadt Schildwacht war fürs Erste gesichert!
Der Himmel normalisierte sich wieder. Die für Alik'r typische Wüstensonne schnitt sich allmählich wieder durch die Lücken zwischen der Wolkendecke. Es brach ein kurzer, aber heftiger Wolkenbruch aus den dunklen Wolken hervor und die unnatürlichen Wolken lösten sich wieder auf. Velaya schaute sich die entstandenen Pfützen an und meinte: „Das ist kein Wasser, das ist Azurplasma. Wie in Kalthafen... Der Schattenfürst hat eine neue Art Ebenenverschmelzung versucht...“ Doch das Azurplasma konnte sich ohne Magie in Nirn nicht lange halten. Es verdunstete nicht einfach, es versickerte auch nicht, es verschwand einfach scheinbar im Nichts.
Jadzia wurde nun von einigen Bewohnern erkannt. Ihr Onkel war auch darunter. Er humpelte mit offenen Armen auf seine Nichte zu, war aber dabei noch sehr schwach auf den Beinen. Er begrüßte sie: „Jadzia! Noch nie war ich so froh, Dich zu sehen, wie heute!“ Er fiel ihr um den Hals und umarmte sie. Zwei Kinder trauten sich nun auch vorsichtig aus dem Haus und umarmten die Templerin weinend an den Beinen. Es waren Jadzias Nichten Ezri und Lara.
Velaya und Fareniel schauten sich die Leute an. Einige bedürften dringend Hilfe von Heilkundigen. Die Magierin tat ihr Bestes und übernahm die leichteren Fälle, die Hüterin mußte die schweren übernehmen. Jadzia mußte ihre Familie nach einigen Minuten vertrösten und übernahm die mittelschweren Fälle. Es waren auch einige Heilkundige am Ort, die sich anschlossen. Andere Bewohner halfen sich gegenseitig, sobald sie dazu wieder in der Lage waren, indem sie Tee zum Trinken verteilten oder die schwerer Geschädigten bequemer betteten oder ins Haus trugen. An diesem Tag hatte es alle Stadtbewohner mehr oder weniger stark getroffen.
Auch die Gebäude waren vom Sturm gezeichnet und die wenigen Pflanzen der Stadt hatten Schäden abbekommen. Die umherwehenden Trümmer hatten die verputzten Fassaden der Gebäude beschädigt. Jadzias Onkel sagte zu seiner Nichte: „Noch so ein Vorfall und wir müssen die Stadt neu aufbauen. Macht dem um Himmels Willen ein Ende, wenn Du kannst, Kind!“ Am besten hatten noch die Kinder überstanden. Die ersten begannen schon wieder miteinander zu spielen. Die älteren Kinder halfen beim Aufräumen der Schäden und bei der Versorgung der Verletzten. Jadzia mußte ihrem Onkel berichten, was da vor sich ging. So erzählte sie den staunenden Schildwacht-Bewohnern eine Zusammenfassung, während sie dabei half, die Verletzten und Geschwächten zu versorgen.
Diego hatte Arwenarwe inzwischen die ganze Geschichte erklärt. Arwenarwe antwortete abschließend: „Nun, das deckt sich mit den Geheimdienst-Berichten von Razum-Dar, dem obersten Auge von Königinn Ayrenn. Aus dem ganzen Dominion wird berichtet, daß sich die Natur allmählich verändert und daß immer wieder Städte von unheimlichen Schatten heimgesucht werden, die die Bewohner der geplagten Ortschaft dazu bringen, sich abnormal zu verhalten.“
Der Meisterdieb atmete auf: „Du glaubst mir also? Das ist gut. Nun schau, ich brauche dieses Dämonenauge, das Ihr nach meinen Diebesgildenkontakten verwahrt. Es soll sich im Palast von Alinor befinden. Wir müssen ein zweites mächtiges Schutzartefakt aus Drachenauge und Dämonenauge erschaffen, damit wir mit zwei Gruppen gleichzeitig arbeiten können. Wir kommen sonst einfach zu langsam voran!“
Die Hochelfe fragte: „Warum hast Du uns die Sache nicht einfach erklärt, so, wie jetzt auch?“ Der Bretone antwortete: „Ihr hättet nein sagen können und es steht zu viel auf dem Spiel.“ Arwenarwe schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn, schüttelte den Kopf und meinte: „Typisch Meisterdieb... Wärst Du ein Magier, würde ich jetzt sagen, Du bist überstudiert und zu normalem Denken nicht mehr fähig! Glaubst du wirklich, uns wäre das Chaos in unserem Reich entgangen? Wir sind für echte Lösungsvorschläge durchaus offen.“
Diego fragte: „Und nun? Hilfst Du uns?“ Arwenarwe antwortete: „Du hast da eine Velaya und eine Kalryssia erwähnt und ihre Freundinnen... ich glaube, ich kenne die beiden. Eine Magierin und eine Drachenritterin, richtig? Sie haben uns hier auf Sommersend bereits bei einigen Problemen geholfen. Die wissen, was sie tun. Es wäre gut, wenn sie sich darum kümmern. Ich hole das Dämonenauge von seinem Verwahrungsort. Komm, wir gehen nach Lillandril zum Kolleg der Sapiarchen. Dort wird es verwahrt. Und das aus gutem Grund. Dieses Artefakt ist in den falschen Händen gefährlich! Ist Dir eigentlich klar, dass es Gründe gab, warum unsere Vorfahren das Dämonenauge und das Drachenauge unter großen Opfern weit voneinander entfernt gesichert haben? Es gibt alte Legenden hierzu.“
Diego antwortete: „Es spielt keine Rolle, was ich darüber denke. Ich helfe nur bei der Beschaffung. Erklär das später Velaya, Kalryssia und ihren Leuten; vor allem Velaya wird damit mehr anfangen können als ich.“
Arwenarwe rief eine Kutsche herbei. Vier kräftige Indriks zogen das Gespann. Arwenarwe und Diego stiegen in den Wagen und waren dort unter vier Augen. Sie machten sich auf den Weg nach Lillandril und plauderten inzwischen miteinander. Der Kutscher würde sie draußen auf dem Kutschbock nicht hören können, wenn sie in normaler Lautstärke sprachen.
Der Bretone kratzte sich am Kopf und fragte verwundert: „Das Kolleg der Sapiarchen? Ich dachte, es wird im Palast von Alinor bewacht...“ Arwenarwe lachte leise. „Was glaubst du, wie viele Diebe das schon stehlen wollten? Und woher, denkst du, hat die Diebesgilde die Information, dass es im Palast von Alinor lagert?“
Diegos Augen wurden immer größer: „Du meinst...“ „Ja, natürlich“, unterbrach ihn die Drachenritterin. „Ich habe Razum-dar angewiesen, dieses Gerücht zu platzieren… damit die Diebe alle versuchen, es in Alinor zu stehlen, wo ICH wache halte und jedes Jahr mehrere Diebe auffliegen lassen kann. Ansonsten würden die Diebe ständig bei den Sapiarchen aufkreuzen. Ich halte ja viel von den Sapiarchen, die das Relikt magisch schützen können. Aber ich traue ihnen nicht zu, ein solch gefährliches Artefakt sicher vor gerissenen Dieben zu verwahren. Raz impfte einen gewissen Khajit namens 'Silberkralle' im direkten Umfeld des Hauptquartiers der Diebesgilde auf Hews Fluch mit dieser Desinformation in der Annahme, daß sich die Information dann schon von selbst überall in der Welt verteile.“
Diego war baff. „So lenktest Du alle Diebe vom Kolleg der Sapiarchen ab. Das ist einfach meisterhaft raffiniert. Du wärst eine talentierte Meisterdiebin, und das meine ich als Kompliment!“ Die Hochelfe mußte kichern. Sie leistete es sich nun etwas lockerer zu sein. Sie antwortete: „Jetzt paß gut auf, Diego. Ich verrate Dir etwas, Das wird Dich umhauen... Aber versprich mir bei Deiner Diebesehre, dies nicht weiter zu erzählen! Nun gut, Velaya und Kalryssia dürfen es meinetwegen erfahren, aber es muß vertraulich bleiben.“
Sie machte eine Pause und wartete auf Diegos Reaktion, der sogleich bei seiner Diebesehre versprach, das vertraulich zu behandeln. Dann fuhr sie fort: „Wir haben ja wie gesagt mehrere Diebstahlversuche pro Jahr. Nicht alle gelten dem Dämonenauge, aber ab und zu schon. Inzwischen haben Alwynarwe und ich mit der Enttarnung von Dieben einiges an Erfahrung. Alwynarwe macht es jedesmal ein... diebisches Vergnügen, die Diebe zu entlarven - oh entschuldige das Wortspiel, aber so ist es. Das ist sowas wie Alwynarwe's liebstes Hobby, wenn man so will. Der... Streit' zwischen uns war nur Theater. Wir haben so unsere Methoden, die Leute zu prüfen. Nun... DEINE Reaktion war zu professionell für einen einfachen Händler... Es war Alwynarwe dennoch ein Vergnügen, sich von Dir den ganzen Abend unterhalten zu lassen und Dich in der Zeit weiteren Test zu unterziehen um sicher zu sein. Der Alltag im Palast ist mitunter etwas fade und auch der Hofstaat mag gerne etwas Abwechslung.“
Diego konnte das kaum glauben und meinte: „Der ganze Hofstaat macht da mit?“ „Nein, natürlich nicht. Nur Alwynarwe, ich und das Führungspersonal der Wachen wissen darüber Bescheid. Wir haben einige vereinbarte Handzeichen, mit denen wir den Wachen unbemerkt Kommandos geben können. Vom wahren Verbleib des Dämonenauges wissen aber auch die Wachen nichts. Sonst würden sich ja unnötig undichte Stellen ergeben.“ „Aber warum erzählst Du mir das nun?“ hakte der Meistedieb nach. Die Hochelfin entgegnete: „Weil ich Deinen Freundinnen Velaya und Kalryssia vertraue. Das waren Deine besten Referenzen heute. Außerdem gibt es noch unsere eigenen Geheimdienst-Berichte. Sonst müßtest Du Dich weitaus mehr anstrengen, mich zu überzeugen und wärst vielleicht bereits auf dem Weg ins Gefängnis.“
Inzwischen war die Kutsche am Ziel angekommen. Zum Kolleg kam man nur mit Hilfe eines Portals. Ansonsten war der Ort nur theoretisch von der Luft aus zu erreichen; auf dem Rücken eines Greifs zum Beispiel. Das Portal war enorm groß, so dass auch Greifen dieses nutzen konnten. Es war der übliche Weg zum Kolleg, auch für Greifen. Sie flogen nur selten direkt dorthin und dann nur aus triftigem Grund. Die Magiere des Kolleg hatten Abwehrmittel für ungebetene Besucher eingerichtet und man wollte normalerweise nicht riskieren, diese durch Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit auszulösen.
Vor dem Portal zum Kolleg standen die Portalwachen und stellten sicher, dass nicht jeder nach belieben durch das Portal ging oder sich daran zu schaffen machte. Wenn man am Portal vorbei sah, konnte man die ästethischen Turmnbauten des Kollegs bewundern. Es war ein großartiger Anblick, wenn man sich das von der Stadt Lillandril aus betrachtete - Ein wahrhaft malerischer Anblick. Ein Maler hatte sogar seine Staffelei aufgestellt, um die Szene bei Sonnenaufgang einzufangen.
Arwenarwe in Lillandril vor dem Portal zum Kolleg der Sapiarchen
Arwenarwe sprach kurz mit den Portalwachen und wies Diego an, vor dem Portal zu warten. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, als sie wieder zurück kehrte mit einer Schatulle in der Hand. Sie öffnete das Kästchen und zeigte Diego den Edelstein. Sie kommentierte seinen Blick: „Dieses Artefakt ist gefährlich in den falschen Händen, aber das weißt Du ja schon. Es ist wie das Drachenauge, von dem wir bis heute nur ungenau wußten, wo es sich befindet, weder gut noch böse, kann also sowohl zum Guten, wie zum Bösen eingesetzt werden. Es darf den Schattenfürsten auf keinen Fall in die Klauen fallen!“
Der Bretone griff nach der Schatulle, da er angenommen hatte, es ausgehändigt zu bekommen. Doch die Hochelfe zog es zurück und schüttelte den Kopf: „Ich kann Dir das nicht mitgeben. Ich komme selbst mit. Wir reisen nun zurück in den Palast. Dort werde ich die Wachen einteilen und die Sicherheit während meiner Abwesenheit regeln. Dann lassen wir uns von der Magiergilde ein Portal nach Belkarth erstellen. Von dort aus wirst Du mit mir zum Domus Phrasticus reisen, wo ich mich mit Deinen Freunden beraten werde. Entweder so, oder das Dämonenauge bleibt im Kolleg!“
Diego hatte damit kein Problem. Im Prinzip war es ihm sogar recht, dieses gefährliche Artefakt nicht alleine nach Kargstein bringen zu müssen. Unterwegs könnte noch so einiges passieren. Arwenarwe organisierte nach der Verteilung der Sicherheitsaufgaben noch eine kleine Leibwache aus einer Heilerin und einem Krieger sowie einer Portalmagierin. Die Magierin öffnete ein Portal mit dem Ziel Belkarth in Kargstein. Dann machten sie sich auf den Weg.
Die schlimmsten Verletzungen waren versorgt, die dringendsten Nöte besprochen. Jadzia, Velaya und Fareniel ließen eine beträchtliche Summe Gold bei ihrem Onkel zurück und beauftragte ihn damit, das Gold so einzusetzen, daß die durch den Angriff entstandenen Schäden beseitigt werden konnten. Etliche Häuser hatten durch herum wirbelnde Trümmer einiges abbekommen.
Hier gab es nichts mehr zu tun, es war Zeit, nach Domus Phrasticus zurückzukehren. In Belkarth beauftragten sie die Lebensmittelhändler damit auf Kosten der Heldinnen Hilfsgüter nach Schildwacht zu schicken. Die Rechnung sollte ans Domus Phrasticus geschickt werden. Da die fünf dort häufig einkaufen, bekamen sie auch Kredit bei den Händlern. Ihr Verwalter Tythis Andromo und ihre Händlerin Nuzimeh würden sich um den Papierkram und die Waren kümmern.
Als sie mit ihren Einkäufen fertig waren, bemerkten sie ein Portal in der Nähe des Marktes. Heraus traten der Meisterdieb Diego, eine blonde Hochelfin in schwerer Rüstung, die eine Schatulle trug. Außerdem ein Hochelfen-Krieger der Alinor-Wache und zwei Magiekundige. Velaya kannte die Hochelfin. Sie hatte schon mit ihr zu tun, als sie in Alinor mit Stellvertreterin Alwynarwe verhandeln mußte. Ihr Name wollte ihr momentan einfach nicht einfallen. Sie war gespannt, was Diego mit ihr zu tun hatte.
Diego bemerkte die drei Frauen und winkte sie zu sich heran. Er rief: „Na so eine Überraschung. Was macht ihr drei denn hier?“ Fareniel erzählte Diegos Truppe von den Ereignissen in Schildwacht. Velaya trat auf die Hochelfin zu: „So sieht man sich unter merkwürdigen Umständen wieder.“ Arwenarwe konnte sich an die Magierin erinnern. Sie mußte schließlich damals bei ihrem Besuch in Alinor durch ihre Sicherheitsprüfungen hindurch: „Velaya! Es stimmt also, was Diego erzählte. Ihr seid tatsächlich die Gruppe, die versucht, dieses Unheil über Nirn aufzuhalten. Nun, damit sind meine letzten Zweifel ausgeräumt!“
Velaya scharrte verlegen mit dem Fuß im Sand und blickte zu Boden: „Weiß Du, ICH bin der Auslöser dieser Katastrophe. Ich bin einer uralten Falle von Molag Bal auf den Leim gegangen. Aber das erzähle ich Dir besser in unserem Haus Domus Phrasticus nahe der Grenze zu Cyrodiil.“
Jadzia legte ihre Hand auf die Schulter der bedrückt schauende Magierin und meinte: „Mach Dir keine Vorwürfe deswegen. Es hätte viel schlimmer kommen können. Stell dir vor, jemand ohne jeglichen Schutz wäre völlig unvorbereitet in diese Falle getappt. Dann hätten wir es jetzt vielleicht mit einem einzigen übermächtigen Gegner zu tun, anstatt mit dreien, die aus den Bruchstücken des zersprungenen Kristalls entstanden.“
Fareniel stimmte zu: „Oder es wäre zu einer Zeit passiert, in der niemand in der Lage wäre, diese Schattenfürsten aufzuhalten. Zur Zeit der Drachenkriege z.B. als Tamriel in einem geschwächten Zustand war. Wir werden sie stoppen!“ Velaya schüttelte den Kopf: „Tamriel IST geschwächt… durch diesen verdammten Allianzkrieg und ein handlungsunfähiges, zersplittertes Kaiserreich. Und in Elsweyr wurden kürzlich wieder Drachen gesichtet. Hoffentlich bleibt das Problem auf Elsweyr begrenzt und hoffentlich müssen wir uns nicht auch noch um diese Sache kümmern. Unsere alten Freunde Abnur Tharn und Sai Sahan kümmern sich angeblich darum.“
Sie reisten also nun zu acht zum Anwesen. Unterwegs sahen sie auf einem der Steinhügel einen Späher. Es war wohl wieder einer dieser Banditen, mit denen sie schon öfter zu tun hatten. Aber der Späher hatte offenbar keine Lust, sich nochmal mit der Gruppe anzulegen und meldete sie nicht weiter. Er stand einfach dort und beobachtete. So erreichten sie Domus Phrasticus unbehelligt.
Dort angekommen tauschten sie ihre Erlebnisse aus. Arwenarwe betrachtete das Drachenauge und die vorbereiteten Legierungsbarren für die geplante Krone. Kalryssia seufzte. „Ich habe Probleme mit der Herstellung. Ich bin eine gute Waffenschmiedin und stelle auch Rüstungen her, aber solche filigrane Schmuckarbeit liegt mir nicht. Jadzia und Fareniel verstehen sich auch aufs Schmieden, aber auch sie sind nicht mit solche Feinarbeiten geübt. Wir haben den Rohling schon mehrmals einschmelzen müssen.“
Arwenarwe schaute sich in der Werkstatt um und nickte anerkennend: „Ihr habt hier eigentlich alles, was man braucht. Eine gut sortierte Werkstatt, sogar mit Schmuckwerkbank.“ Jadzia fügte hinzu: „Wir haben noch eine viel besser ausgestattete Werkstatt in einem anderen Haus mit Großmeister-Werkbänken.“ Die Hochelfe nickte anerkennend „Die einzurichten war bestimmt teuer, aber damit geht es bestimmt. Ich war bei einem Goldschmied in der Lehre, bevor ich die Sicherheit am Hofe von Stellvertreterin Alwynarwe übernommen habe. Ursprünglich sollte ich vor der Thronbesteigung von Königin Ayrenn die Schatzkammer übernehmen. Daher erwartete man, dass ich mich mit Schmuck auskenne und wurde entsprechend ausgebildet. Ich denke, ich kann die Krone herstellen.“ Sie blickte in die Runde. „Wer soll sie denn später tragen?“
Jadzia, Arwenarwe und Kalryssia beraten sich in der Werkstatt vom Domus Phrasticus
Kalryssia antwortete: „Velaya trägt schon das Ankh. Wir haben hier noch einen männlichen Drachenritter, der für sich und seine Gruppe auch ein Artefakt braucht, um uns überhaupt gegen die Schattenfürsten helfen zu können. Komm, ich stelle ihn Dir vor.“ Arwenarwe meinte: „Über die Entstehung und Funktion des Ankhs müßt Ihr mich noch in Kenntnis setzen.“
Die Hochelfin und Kalryssia begaben sich zu der Heldengruppe, die sich um den Grill im Garten des Domus Phrasticus versammelt hatten. Arwenarwe betrachtete die Szene mit ihrer berufsbedingt guten Menschenkenntnis. Chester, der Bretonen-Hüter, spielte eine Melodie auf seiner Laute. Sera Na tanzte mit Diego; die beiden verstanden sich augenscheinlich ausgezeichnet. Fareniel plauderte mit Korn.
Nilfton saß neben Velaya und würde sich so gerne mit ihr unterhalten, traute sich aber nicht, sie anzusprechen. Velaya hingegen war zu sehr in Gedanken versunken, um Nilftons Interesse zu bemerken. Bestimmt drehten sich ihre Gedanken wieder um die daedrische Falle von Molag Bal. (Was Arwenarwe aber in dem Augenblick nicht wissen konnte: Die beiden hatten festgestellt, daß sie sich schon vor Jahren bei einem anderen Abenteuer auf einer Gefängnisinsel begegnet waren,. Velaya war inzwischen von einer jungen, schüchternen, schutzbedürftigen Gefangenen zu einer erwachsenen, durchsetzungsfähigen Magierin herangewachsen. Zu erzählen hätten sie sich also mit Sicherheit genug.).
Kalryssia stellte die Charaktere vor: „Das hier ist Arwenarwe, Cousine von Königin Ayrenn und Sicherheitschefin am Hofe von Alinor. Die Damen kennen sich ja bereits. Dies ist der Krieger Korn, dies der Hüter Chester, dies der Elementarmagier Nilfton und das der Drachenritter...“
Arwenarwe winkte ab und meinte: „Wir haben zu tun. Ich muß Maß nehmen und Zeichnungen anfertigen. Wir wollen die Schattenfürsten doch nicht auf ihre Vernichtung warten lassen, oder?..:“ Sie nahm den Drachenritter forsch bei der Hand und schleifte ihn ins Haus zur Werkbank. Widerworte duldete sie nicht und erstickte sie im Keim. Man merkte, daß sie es gewohnt war, zu kommandieren. Im Haus nahm sie die benötigten Maße, entließ den Helden und machte sich an ihre Planungsarbeit. Kalryssia, die die Szene neugierig betrachtete, konnte sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. „Typisch Hochelfen... ihr angeborener, fast schon zwanghafter Hang zur Effizienz...“ dachte sie sich.
Während im Domus Phrasticus alle fieberhaft arbeiteten – Schmiede klangen, Alchemietische brodelten, Karten wurden studiert –, zog sich Fareniel kurz zurück. Die Hüterin hatte eine Idee, wo sie weitere Hilfe finden könnten. Sie stammte aus Kalthafen, gehörte zum Clan der Schattenelfen und war – gemeinsam mit ihrer Schwester Faraniel – die Tochter des Clan-Anführers. Faraniel hatte damals schon an ihrer Seite gestanden, als sie Molag Bal eine empfindliche Niederlage beibrachten. Der Clan hatte Einfluss, Wissen und Krieger – und vielleicht genau das, was sie jetzt brauchten.
Die Hüterin Fareniel hatte sich damals freiwillig gemeldet, Velaya und Kalryssia zu unterstützen. Außerdem wollte sie Kalthafen verlassen und Tamriel erkunden. Immer wieder hatte sie dabei während ihrer Reisen im Namen ihres Clans Kontakte geknüpft. Inzwischen hatten die Schattenelfen von Kalthafen über die von Meridia beschützten Leeren Stadt einige wenige, aber gute Kontakte gewonnen und Handelsbeziehungen etabliert. Vor allem hatten sie Zugang zu ihrer alten Heimat in Valenwald erhalten. Die Schattenelfen ließen sich z.B. gerne als Personenschutz für Reisende anheuern.
Für den Besuch bei ihrem Clan legte Fareniel bewusst eine Rüstung an, die Eindruck machen sollte: feuerrotes Bruststück, passende Lederstiefel, eine Hose mit leuchtend blauen Drachenschuppen und goldene Metallschützer. Selbst ihre Waffen – Bogen und Stab – waren farblich abgestimmt. Sie wollte nicht nur als Schwester kommen, sondern als stolze Vertreterin ihres Volkes.
Sera Na hatte gerade die letzten Feldrationen versiegelt und wischte sich die Hände an der Schürze ab. Als sie Fareniel in voller Montur sah, zog sie eine Braue hoch. „Fareniel, was wird das denn?“ Die Hüterin lächelte schief. „Ich gehe zu meinem Clan nach Kalthafen. Familie besuchen, Kontakte aktivieren, vielleicht neue Ideen holen. Mein Volk lebt seit Jahrhunderten unter Molag Bals Schatten – unsere Gelehrten haben uraltes Wissen, das es sonst nirgendwo in Tamriel zu finden gibt.“ Sera Na warf die Schürze beiseite. „Dann komme ich mit. Die viele Kocherei und Brauerei hat mich langsam mürbe gemacht. Ein bisschen frische Luft – oder was in Kalthafen eben als frisch durchgeht – wird mir guttun.“ Sie verschwand kurz in ihrem Zimmer und kam in einer fließenden rotgoldenen Gewandung zurück – khajiitisch inspirierter Sonnspitz-Stil, elegant, aber unaufdringlich. Perfekt für einen Stadtbummel in der Leeren Stadt, bevor es ernst wurde.
Fareniel überprüfte noch einmal ihre Ausrüstung. Dann begaben sich die Waldelfe und die Dunmer sich vom Domus Phrasticus aus zum nächstgelegenen Teleporter und von dort aus zum Teleporter nahe der Schattenelfen-Siedlung.
In Kalthafen gingen sie schnurstracks zu der Siedlung und vermieden inzwischen unnötige Kontakte zu Lamien und Zweiglingen, die ihnen über den Weg liefen. Die Schattenelfen lagen immer noch im Konflikt mit den Lamien und weder Fareniel noch Sera Na hatten ein Bedürfnis nach sinnlosen Kämpfen. Sie vermieden es auch, zu nahe an Schattenelfen-Posten heranzutreten. Mit der Schattenelfe Fareniel an Sera Na’s Seite würde es vermutlich keine Probleme mit den Einheimischen geben, doch hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass manche der Schattenelfen immer noch feindselig auf Sera Na oder ihre Kameradinnen reagierten, wenn sie sich uneingeladen ihrem Territorium näherte.
Kurz bevor die Siedlung in Sicht kam, flackerte ein einsames Lagerfeuer durch die tote Kalthafen-Nacht – ein kleiner, warmer Punkt zwischen abgestorbenen Bäumen und zerklüfteten Felsen. Faraniel saß dort als Wachposten, den Bogen griffbereit neben sich, die Haltung wachsam, aber entspannt. Neben ihr hockte eine massige Gestalt in schwerer, alter Nord-Rüstung – blond, kantiges Gesicht, Gravuren, die von einer längst vergangenen Ära kündeten. Sie saß etwas abseits, musterte die Dunkelheit, als gehörte sie nicht ganz hierher.
Als Faraniel ihre Schwester und Sera Na entdeckte, leuchtete ihr Gesicht auf. Ein breites, herzliches Lächeln brach durch. Sie sprang halb auf und winkte enthusiastisch. „Fareniel! Sera Na! Bei den Ahnen – wie ich mich freue!“
Faraniel, Fareniel und Freya Urdbrunn in Kalthafen
Die gepanzerte Frau am Feuer hob nur langsam den Blick. Vom Erscheinungsbild her eine Nord oder groß gewachsene Kaiserliche. Ihr Schatten tanzte riesig an den Felsen, als das Feuer sie von unten beleuchtete. Faraniel wartete, bis die ersten Umarmungen vorbei waren, dann stellte sie vor: „Das ist Freya Urdbrunn, eine meiner engsten Freundinnen hier. Sie stammt ursprünglich aus Atmora und war lange Zeit Molag Bals Gefangene – in einem dieser verfluchten Kraftfelder eingesperrt. Meridia selbst, die Stadtbewahrerin der Leeren Stadt, hat uns den Hinweis gegeben, wo wir sie finden würden. Wir konnten gar nicht anders, als sie da rauszuholen… schon allein, um diesem Widerling eins auszuwischen. Aber ihre Geschichte erzählt sie besser selbst – wenn sie mag.“
Sera Na meinte: „Was haltet Ihr davon, wenn wir zum Plaudern in die Leere Stadt gehen? Ich habe unter den strengen Blicken der Schattenelfen-Wachen in der Nähe ein etwas bedrücktes Gefühl und fühle mich so nahe an Eurer Siedlung nicht sonderlich willkommen.“ „Gut, dann machen wir das so.“ antwortete Faraniel. Sie wandte sich an Freya Urdbrunn: „Möchtest Du mitkommen oder lieber hier bleiben?“ „Ich komme mit Euch. Ihr habt bestimmt Spannendes zu erzählen.“ entgegnete die Kriegerin, die nun langsam aufstand.
Sera Na staunte nicht schlecht, als Freya dann schließlich vor ihr stand. Sie war enorm groß gewachsen und erinnerte sie unweigerlich an Lyris Titanenkind, doch Freya war immer noch einen guten Kopf kleiner als die Halbriesin Lyris. Sera Na, Faraniel und Fareniel wirkten neben der Nord aus Atmora schon erstaunlich zwergenhaft.
Nach einem kurzen, vorsichtigen Marsch durch Kalthafens düstere Pfade – immer die Schattenelfen-Posten und mögliche Lamien im Blick behaltend – erreichten sie den nächstgelegenen Teleporter. Ein Schritt hindurch, und die Welt wechselte schlagartig.
Die Leere Stadt empfing sie wie ein warmer Hauch nach endloser Kälte: Blühende Pflanzen säumten die Wege, ein sanfter Wind trug leises Vogelgezwitscher und das Plätschern eines nahen Sees heran. Über allem lag Meridias unsichtbarer Segen – ein Schutz, den man förmlich auf der Haut spürte.
Faraniel führte sie gezielt zu ihrem Lieblingsplatz: Ganz in der Nähe des Teleporters, der unter einem kleinen, von hohen Säulen umstandenen Pavillon nahe am See lag, nur wenige Schritte vom Teleporter entfernt. Eine niedrige Mauer bot Sichtschutz – hier saß man nicht auf dem Präsentierteller, sondern geborgen, fast versteckt. Das leise plätschernde Wasser reflektierte das Licht der Stadt, und in der Ferne hörte man das ferne Murmeln von Händlern und Reisenden. Es war ein munteres Treiben in dieser Stadt. Nachdem Velaya und ihre Gefährten und etliche andere Kämpfer zusammen mit der Krieger- und Magiergilde in Kalthafen einmarschiert waren, um Molag Bal eins auf die Nase zu geben, wurde die Stadt wieder zu einem belebten Ort, der über den Teleporter mit der ganzen Welt verbunden war. Die Gilden hatten hier zahlreiche Gefangene befreit, deren erstes Ziel die einst Leere Stadt war. Einige hatten sich hier dauerhaft angesiedelt oder hatten zumindest vor, längere Zeit zu bleiben. Seitdem florierte hier auch wieder der Handel.
Die Gruppe ließ sich nieder: Sera Na elegant im Gras, die rotgoldene Gewandung wie ein Sonnenfleck in der blauen Nacht; Freya schwer und imposant, die Rüstung klirrte leise, als sie sich zwischen die beiden Schwestern setzte. „Hier komme ich immer her, wenn ich Ruhe und Frieden brauche“, sagte Faraniel leise, den Blick über den See gleiten lassend. „In Kalthafen ist das ein Luxus, den man sich erkämpfen muss. Ich hätte früher nie gedacht, einmal einen so schönen und friedlichen Ort zu sehen, wie diesen. An diesem Ort fühle ich mich geborgen und von Meridia gut behütet. Kommt, wir gehen dort hin!“
Leute aus allen Allianzgebieten fanden hier ein neutrales Territorium vor, das von Meridia, der Stadtbewahrerin sowie der Krieger- und Magiergilde gesichert wurde. Hier wurde penibel darauf geachtet, dass die Streitigkeiten aus dem Allianzkrieg nicht ausgetragen wurde und normalerweise hielten sich die Leute auch daran.
Fareniel, Faraniel, Sera Na und Freya Urdbrunn nahmen die friedvolle Atmosphäre hier im Kontrast zu der oft bedrückenden Atmosphäre im übrigen Kalthafen nicht für selbstverständlich. Sie ließen sich an Faraniels Lieblingsplatz zwischen Teleporter und See nieder und ließen für eine Weile diese Atmosphäre auf sich wirken.
Fareniel, Freya Urdbrunn, Faraniel und Sera Na am Seeufer in der Leeren Stadt
Fareniel begann von ihrer Mission zu erzählen, die Stimme ruhig, aber ernst. Von den Schattenfürsten, den Schattenscherben, die Besetzungen von Städten durch die Schatten und ihre Wirkung auf die Bevölkerung. Dann die total verdrehte Anwendung der Gesetze, die buchstabengetreu eingefordert und absurd ausgelegt werden und so zum Drangsal für die Betroffenen werden. Sie berichtete von der Herstellung des Ankhs, dessen Weihe durch Meridia, Mara, Stendarr, Kynareth und Akatosh. Von den neuen Gefährten um Diego, dem Dämonenauge und alles, was Faraniel eben wissen mußte, um die Situation zu verstehen.
Fareniel schlußfolgerte: „Meridia weiß also schon Bescheid. Das macht die Leere Stadt erneut zum perfekten Stützpunkt für Eure Verbündeten. So, wie damals schon gegen Molag Bal wird Euch auch Meridias Schutz in dieser Stadt vor dem Bösen behüten. Ihr solltet Euer Hauptquartier vom Domus Phrasticus hierher verlegen.“ Sera Na antwortete: „Das ist eine sehr gute Idee, Ich werde das den anderen so mitteilen. Da wir Meridias Segen bereits haben, dürfte das auch für sie kein Problem sein. Eher sogar eine Entlastung, denn so genügt es, wenn sie den Schutz über der Leeren Stadt aufrecht erhält.“
Fareniel sagte: „Genau. Um den Rest müssen wir uns kümmern, aber es ist gut, einen behüteten Ort zum Rückzug zu haben und zum Ausruhen. Wir könnten die Hilfe der Schattenelfen brauchen. Sie sind durch ihr langes Leben in seinem Reich weitgehend resistent gegen Molag Bals Einfluß geworden. Das hat sich noch verstärkt, nachdem sie beschlossen hatten, sich nicht länger an den Vertrag mit ihm zu halten, den ER sowieso nie eingehalten hatte. Die Schattenelfen wären wertvolle Kundschafter und Saboteure.“
Faraniel, als Faraniels Schwester selbst eine Schattenelfe, antwortete: „Darauf ließ sich unser Volk wahrscheinlich auch ein, denn wenn die Welt um sie herum durch den Einfluß der Schattenfürsten verfällt, werden auch sie die Annehmlichkeiten verlieren, die sie inzwischen durch den Austausch mit dem Rest Tamriels haben. Wir sollten ihnen aber etwas anbieten können. Zum Beispiel ein Territorium in Valenwald, wo sie ein Dorf errichten könnten. In ihrer alten Heimat oder wenigstens in der Nähe davon. Die Schattenelfen benötigen sowieso einen Rückzugsort, falls ihre Siedlung in Kalthafen aus irgendeinem Grund fällt. Dazu müßten wir mit Königin Ayrenn verhandeln. Ressourcen für den Aufbau einer Siedlung könnten sie von mir erhalten. Ich konnte durch die Abenteuer mit meinen Gefährten genügend ansparen, um das leisten zu können.“