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ESO-Geschichte Schattenherrschaft

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    „Vorsicht, was du dir wünschst, Rothwardone!“, sagte Oberon mit einem kühlen Lächeln. „Magie hat ihren Preis.“ Der Namenlose Drachenritter warf Korn einen Blick zu, der so viel wie „Halt die Klappe“ bedeutete, doch Korn grinste nur breit, wie ein Mann, der schon Schlimmeres als Magier-Tadel überlebt hatte.

    Korn steuerte die Werkstatt des Ersten Verzauberers an, einem Dunmer mit Augen wie glühende Kohlen, der über einem Tisch voller schwebender Runensteine brütete. Ein leises Summen ließ die Apparaturen seiner Werkstatt vibrieren. „Verzaubert die!“, sagte Korn und knallte seine Zweihandaxt auf den Tisch. „Und zwar mit was, das Magie abwehrt. Keine von euren komplizierten Elfenspielereien. Soll einfach funktionieren.“

    Der Dunmer hob etwas pikiert eine Braue. „Keine Spielereien, Krieger? Dann hoffe ich, du hast genug Septime, um den Preis der Einfachheit zu zahlen.“ Er wies auf die Runensteine, die in der Luft tanzten wie Glühwürmchen. Korn verzog das Gesicht, als er die Kosten hörte, doch er wusste, dass die Schattenfürsten keine Gnade kannten. „Mach’s einfach gut“, knurrte er. „Und wehe, meine Axt glitzert danach wie so’n Elfending.“

    Chester schlenderte inzwischen zur Halle der Zerstörungszauber, wo die Meisterin, eine Bretonin mit frostweißen Haaren, einen Feuerball zwischen ihren Händen schweben ließ. „Eiszauber, sagst du?“, fragte sie, als Chester ihr von seinem Windhosenzauber erzählte. „Interessant. Der Sumpf, aus dem du kommst… er klingt nach einem Ort, den selbst die Daedra meiden.“ Chester zog an seinem Krautstängel, dessen Rauch nach brackigem Wasser roch. Er dachte an die Nächte in der Kolonie, als er verängstigte Novizen mit einem Schlafzauber beruhigte, die vom „Großen“ träumten. „War ’ne Kolonie. Wenig Regeln, viel Ärger. Hab dort gelernt, wie man Leute schlafen legt – oder umwirft.“ Die Meisterin nickte anerkennend. „Zeig mir diesen Windhosen-Zauber. Vielleicht können wir ihn… schärfen.“
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    Später suchte Chester den Wiederherstellungs-Meister auf, einen Argonier, dessen Schuppen im Kerzenschein schimmerten. „Heilzauber sind gut“, sagte Chester, „aber ich brauch was, das schneller wirkt. Für den Fall, dass die Schattenfürsten uns in die Enge treiben.“ Der Argonier musterte ihn mit lidlosen Augen. „Schnelligkeit erfordert Präzision. Und Opfer. Bist du bereit, den Preis zu zahlen?“ Chester grinste schief. „Hab schon Schlimmeres überlebt. Wie ’nen Dämon, der die falschen Gebete bekam.“

    Nilfton verließ die Akademie und stapfte durch die verschneiten Straßen von Winterfeste zur Kriegergilde. Der Wind heulte durch die Gassen, und die Schatten der Häuser wirkten wie Klauen, die nach ihm griffen. Die Schattenfürsten waren nah – er spürte es in seinen Knochen, wie damals in der Kolonie, als die Magier von einer unsichtbaren Macht ausgesaugt wurden. Seine Magie war mächtig, doch er wusste, dass sie versagen konnte. Er brauchte einen Plan B.

    In der Gilde fand er einen Nord, der Wurfmesser mit der Präzision eines Schattenläufers schleuderte. „Geweihte Silberklingen“, sagte Nilfton. „Solche, die Kreaturen der Finsternis durchbohren.“ Der Nord grinste. „Silber, hm? Gute Wahl. Aber Meridia für die Weihe solltest du selbst anrufen – ICH schmiede nur die Klingen.“ Nilfton nickte. „Und ein Gürtel für die Klingen. Etwas Praktisches. Und kannst du mir beibringen, wie man sie richtig wirft?“ Der Nord lachte. „Ein Magier, der Messer wirft? Das wird ein Spaß!“

    Er würde Kalryssia in Kargstein fragen, ob sie noch etwas Aetherium für eine Beschichtung hatte. Ein Dolch, gesegnet von Meridia, könnte der Schlüssel sein, falls seine Magicka versagte. „Die Schattenfürsten“, murmelte er, „sind wie die Finsternis in der Kolonie. Man sieht sie erst, wenn es zu spät ist.“ In den folgenden Stunden übte Nilfton an den Zielscheiben der Kriegergilde, bis seine Würfe präziser wurden, bis schließlich selbst der Nord anerkennend nickte.
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    Der kaiserliche Drachenritter der Gruppe war inzwischen mehr an den Büchern der umfassenden Bibliothek interessiert. Das mag zunächst verwundern, aber er mußte mehr über solche und ähnliche Schattenwesen heraus finden, wie sie sie zu bekämpfen hatten. Die Regale der Akademie reichten bis zur Decke. Es waren Leitern notwendig, um die oberen Bücher zu erreichen, doch mit seiner schweren Rüstung war das unmöglich.

    Er wandte sich an den Bibliothekar und ließ sich alle Schriften zu dem Thema geben, die dem Bibliothekar einfielen. Der Bibliothekar, ein Orsimer mit einer Brille, die seine Augen verzerrte, reichte ihm vier staubige Folianten. Die würde der Kaiserliche nicht alle lesen können, er mußte sie „querlesen“ und nach den interessantesten Einträgen suchen. Zu mehr reichte die Zeit einfach nicht.

    „Schattenfürsten“, murmelte er. „Alte Geschichten. Gefährliche Geschichten.“ Der Drachenritter schlug das erste Buch auf und fand eine Zeichnung: ein Schattenwesen, dessen Augen wie die des Drachenauges glühten. Ein Satz sprang ihm ins Auge: „Die Fürsten dienen einem, der älter ist als die Drachen selbst.“ Sein Magen zog sich zusammen. War das Drachenauge ein Schlüssel zu etwas Größerem? Ein Artefakt, das die Schattenfürsten rufen konnte? Es war mehr Forschung nötig, um das zu klären. Er machte sich Notizen für Velaya in Kargstein, die Magierin, die solche Rätsel lösen konnte.
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    Plötzlich flackerte das Licht in der Bibliothek. Der Drachenritter hob den Kopf. Ein Schatten bewegte sich zwischen den Regalen – zu schnell, um ein Novize zu sein. Er griff nach seinem Schwert, doch der Schatten war verschwunden. Der Bibliothekar schien nichts bemerkt zu haben. „Alles in Ordnung?“, fragte er. Der Drachenritter nickte langsam, doch seine Hand blieb am Heft. Er hatte in der Kolonie gelernt, dass Schatten selten allein kamen.

    Zwei Tage vergingen, während die Arkanisten das Drachenauge untersuchten. Am Abend des zweiten Tages saßen die Helden in der großen Halle der Akademie, wo das Feuer im Kamin knisterte und der Geruch von gebratenem Horker die Luft erfüllte. Doch ein Kribbeln in Nilftons Nacken ließ ihn nicht los. Er blickte sich um. Die Novizen flüsterten nervös, und die Lichter flackerten erneut. Chester, der gerade einen Schluck Met nahm, hielt inne. „Spürt ihr das?“, murmelte er. „Wie in der Kolonie… wenn der Dämon wach war.“

    Korn griff nach seiner neu verzauberten Axt, die nun mit einer schwachen Rune schimmerte. „Was laberst du da, Chester?“ Bevor Nilfton antworten konnte, erklang ein leises Flüstern in der Drachensprache – „DOV… LOS… DINOK.“(1) Tod. Es war, als trage das Flüstern die Stimme des Drachenauges selbst. Die Temperatur sank, und die Schatten in den Ecken der Halle schienen sich zu regen, als ob unsichtbare Augen sie beobachteten. Der Namenlose Drachenritter stand auf, seinen Schild bereit, doch nichts geschah. Nur das Flüstern blieb, wie ein Echo in ihren Köpfen. Ihnen stand eine unruhige Nacht bevor, geplagt von Schatten, die näher rückten, ohne sich zu zeigen.

    (1) Drachensprache. Wörtlich: „Drache ist Tod“.
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    Spionagearbeit

    Der bretonische Meisterdieb Diego hatte inzwischen den Hafen von Schimmerheim erreicht. Im Moment nutzte er eine Verkleidung als fahrender Händler, um sich einigermaßen unbehelligt umsehen zu können. Für den Zweck hatte er vor seiner Überfahrt per Schiff einen mittelgroßen Handkarren mit Stoffbahnen und Schmuckstücken unterschiedlicher Qualität erworben, darunter auch einige erlesene Stoffe aus den Allianzgebieten, die hier sicher als exotische Waren Interesse wecken würden. Die Schmuckkassette hatte er gut unter den Stoffbahnen versteckt, so, wie es ein Händler eben tun würde um nicht gleich von jedem Dieb im Vorübergehen bestohlen zu werden.

    Er würde für eine glaubwürdige Rolle als Händler eine Handelserlaubnis brauchen, einen Gewerbeschein vielleicht. Sonst könnte es passieren, daß die strengen hochelfischen Wachen ihn wegen Schwarzmarkthandel verhaften würden. Als Bretone mitten im Kernland der Hochelfen war er hier ein Fremdling, der von weitem auch als solcher erkennbar war, schon wegen seines im Vergleich zu Aldmer kleineren Wuchses. Er würde zweifelsohne mehrmals von Wachen kontrolliert werden. Also erkundigte er sich bei einer Hafenwache nach dem zuständigen Beamten.

    Der Erwerb einer Handelskonzession war dann nur eine Formsache. Er mußte Einfuhrzölle bezahlen, bekam die behördlichen Nachweise ausgehändigt und konnte seines Weges ziehen. Sein Ziel war Alinor. Um nicht aufzufallen handelte er mit Leuten, die ihm unterwegs begegneten und ihn auf sein Sortiment ansprachen. Schließlich hatte er Alinor erreicht.

    Nun begann die nächste Stufe seiner Infiltration. Mit seinem Handkarren stellte er sich am Marktplatz zu den anderen Händlern. Dort machte er einige Geschäfte und achtete darauf, daß seine Kunden einen guten Handel machten. Mit zufriedenen Kunden kommt man leichter ins Gespräch und er nutzte jede Gelegenheit, um mehr über Alinor und seine Bewohner zu erfahren. Er beobachtete auch die Wachen
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    Schließlich traf er auf eine Adlige, die großen Gefallen an den khajitischen Schmuckstücken in seiner Schatulle fand. Er konnte sie ein wenig über Alwynarwe aushorchen. Die Stellvertreterin von König Ayrenn war wohl nicht sonderlich beliebt bei dieser Adligen. Wenn die Dame repräsentativ für andere Adlige war, könnte er das vielleicht noch zu seinem Vorteil nutzen. Es bestand aber auch die Möglichkeit, daß dies eine persönliche Abneigung dieser einen Adligen war.

    Die Dame empfahl ihm, seinen Karren direkt am Vorplatz zum Palast aufzustellen. Da er ihr einen guten Preis gemacht hatte, begleitete sie Diego auf dem Weg dorthin und legte bei den Palastwachen vor dem Gebäude ein gutes Wort für ihn ein. So duldeten sie seinen Stand vor dem Palast und er konnte nun von dort aus die Umgebung und Passanten sondieren.

    Insgesamt rechnete sich der Handel für den Meistedieb nicht, er machte etwas Verlust dabei. Er durfte nicht zu weit mit den Preisen runter gehen, sonst würden die Leute mißtrauisch werden und von Hehlerware oder Schmuggelware ausgehen.

    Diego mußte diese Rolle als Händler vier Tage lang spielen. Er stellte sich immer pünktlich um 9:00 Uhr an seinen Platz, machte um 13:00 Mittagspause und um 18:00 Feierabend, wobei er noch 2 Stunden am Platze blieb und in einem Buch las, während er nebenbei alles beobachtete. Die ersten Leute gewöhnten sich allmählich an seine Anwesenheit und auch ihre Zungen lockerten sich allmählich, wenn er sie aushorchte. Meistens erfuhr er nur Klatsch, Gerüchte und Intrigen, aber das gehörte alles zum Spiel.
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    Schließlich war auch Alwynarwe auf den neuen Händler aus fernen Ländereien aufmerksam gemacht worden. Adlige Kunden hatten von seinem erlesenen Sortiment und den moderaten Preisen geschwärmt. Ein Bote des Palastes trat an Diego heran und lud den Bretonen ein, der Stellvertreterin seine Waren zu zeigen. Das war es, was der Meisterdieb erreichen wollte und er ließ sich nicht zweimal bitten. Gemessenen Schrittes und ohne Eile trat er durch das Portal in das Innere des Palastes. Der Bote verneigte sich vor einem entgegen kommenden Adligen, der an ihnen vorbei nach draußen ging. Diego tat es ihm nach. Er mußte schnell lernen, wie die Dinge hier laufen, wenn er sich nicht blamieren wollte. Schließlich erreichten sie den Thronsaal.

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    Königin Ayrenn’s Stellvertreterin Alwynarwe mit ihrer Sicherheitschefin Arwenarwe

    Der Meisterdieb versuchte die Situation im Thronraum zu analysieren. Es gab keinen Zweifel, wer in diesem Saal die Königinnen-Stellvertreterin war. Ihre auffällig kostbare königliche Kleidung war sicher vom besten Schneider des Aldmeri-Dominions angefertigt worden. Diego interessierte sich aber viel mehr für die Sicherheitsvorkehrungen.
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    Alwynarwe's Leibwache war schwer gepanzert und hatte einen riesigen Zweihänder. Diego mußte davon ausgehen, daß sie damit auch umgehen konnte. Dort, wo sie stand, wäre es ihr ein leichtes, Alwynarwe zu töten, wäre sie ein Attentäter. Nur einen Schritt hinter ihr stand die Leibwächterin, sie bekam also jedes geflüsterte Wort mit und wußte daher sicher genauestens über alle Amtsgeschäfte der Stellvertreterin Bescheid.

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    Diego schlußfolgerte, daß sie sicher nicht umsonst in dieser vertrauensvollen Position war. Das zeugte von einem hohen Vertrauen der Stellvertrerin Alwynarwe in diese Person. Ihm fiel eine gewisse Ähnlichkeit der Gesichtszüge der beiden auf und sie waren auch annähernd gleich groß. Wenn sie also auch noch zur Verwandtschaft zählte, konnte sich Diego einen Bestechungsversuch sparen. In so einem Fall ist Blut meist dicker als Wasser.
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    Direkt hinter den beiden standen zusätzlich zwei Wachen und es waren weitere im Raum verteilt. Zwischen den beiden Wachen hinter Alwynarwe sah Diego eine Tür. Ob dies der Ort war, an dem das gesuchte Dämonenauge verwahrt wurde? Oder waren es die privaten Gemächer der Stellvertreterin? Vielleicht führte die Tür auch zu einem Fluchttunnel, falls Alinor einmal angegriffen würde. Der Meisterdieb würde versuchen, die Bediensteten des Schlosses darüber auszuhorchen.

    Jetzt aber galt es erst einmal, mit Alwynarwe einen Handel abzuschließen. Für diesen Fall hatte er eine besondere Schatulle mit erlesenen Schmuckstücken und Edelsteinen „organisiert“. Einige Teile waren vom Projektkapital gekauft, andere... waren es nicht... Verlust würde Diego sicher nicht machen. Nach diesem Einsatz würde er die übrig gebliebenen Sachen garantiert mit Gewinn verkaufen können. Jedes darin enthaltene Teil war einer Königin würdig und auch eine Königinnen-Stellvertreterin wie Alwynarwe würde da nicht lange widerstehen können. Der Köder war also ausgelegt.

    Der Meisterdieb wußte, wie das bei Hofe lief. Zumindest bei den meisten. Er ging davon aus, daß das auch in Sommersend nicht anders war. Also wartete er einen Moment in Demutshaltung. Stünde Diego in Markarth im Reik vor Ard Caddach, dem wohl mächtigsten Reikmannenfürsten, müßte er völlig anders vorgehen und eher Stärke zeigen. Da würde er mit Demut keinen Blumentopf gewinnen. Aber hier lagen die Dinge anders. Alwynarwe musterte ihn von Kopf bis Fuß. Ihr Fokus lag sicher eher auf Diegos Hoftauglichkeit.
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    Ihre Leibwächterin Arwenarwe hingegen scannte ihn geradezu. Diego war klar, daß vor allem sie ihn mit ihren Blicken nach möglichen verborgenen Waffen absuchte. Für einen Moment malte er sich aus, wie diese Schönheit ihn abtasten würde. Der Bretone konnte ein kurzes spitzbübisches Grinsen nicht vermeiden, aber er schüttelte den absurden Gedanken schnell wieder ab. Sollte DIESE Frau wirklich Hand an ihm anlegen, dann nur, um ihn in den Staub zu treten und anschließend in den Kerker zu werfen.

    Nun, genug sinniert. Alwynarwe hatte beschlossen, Diego näher treten zu lassen: „So komme der Fremde nun zu mir und präsentiere Er mir nur seine besten Stücke. Unsere Zeit ist kostbar und Wir vergeuden sie nicht gerne mit gewöhnlichem Tand!“ Der „Händler“ tat, wie ihm geheißen war und begann mit der Stellvertreterin von Königin Ayrenn zu handeln, stets darauf bedacht, ein gutes Schauspiel abzuliefern. Schließlich wurden sie von vielen adeligen Damen beobachtet und Diego war klar, daß Alwynarwe sich bei dieser Gelegenheit profilieren wollte. Er brauchte sie gut gelaunt, wenn er in seiner eigentlichen Angelegenheit weiter kommen wollte.
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    Schildwacht

    Die Hüterin Fareniel war inzwischen mit den Einkäufen aus Belkarth zurückgekehrt. Zumindest mit denen, die sie selbst transportieren konnte. Die von Sera Na bestellten Nahrungsmittel waren zu umfangreich, weshalb sie eine Karawane vom Gasthaus in Belkarth zum Domus Phrasticus in Kargstein anfordert hatte, die noch vor Einbruch der Nacht eintreffen sollte. Die von Kalryssia und Jadzia gewünschten Teile für ihre Bastelarbeiten blieben unvollständig. Dwemermetall war auf die Schnelle nicht zu kriegen, das würden sie aus einer Dwemerruine holen müssen. „Irgendwann werden alle Ruinen leer geplündert sein“ murmelte Fareniel. „Vielleicht sollten wir einen Weg finden, die Legierung selbst nachzubauen.“

    Jadzia saß schweigend auf dem Schaukelstuhl vor dem Kamin und hatte Meridias Mond in der Hand. Gedankenverloren blickte sie auf die schwach glühende Weltkugel mit drei markierten Punkten, die wie stumme Warnungen wirkten. Kalryssia bemerkte ihre Versunkenheit: „Was ist los, Jadzia? Bedrückt Dich etwas?“ Die Rothwardonin antwortete: „Ich sehe eine Markierung in Schildwacht in Alik'r... Ich habe dort Familie, kenne dort Leute und mache mir Sorgen um sie.“ Fareniel hakte nach: „Sollen wir nachsehen?“

    Jadzia zögerte, ihre Finger um die Kugel gekrampft: „Ich habe Angst vor dem, was ich vielleicht dort vorfinden könnte...“ Velaya meinte: „Wir können auch ohne Dich nachschauen, wenn Dir das lieber ist.“ Die Templerin schüttelte den Kopf: „Kommt gar nicht in Frage. Wenn meine Leute dort in Schwierigkeiten sind, muß ich mich dem stellen.“ Mit einer Handbewegung wischte sie über die magische Kugel; unter ihren Fingern knisterten Funken, und sie schrumpfte zu einer flachen Scheibe, die Jadzia in ihrer Tasche verstaute.
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    Die drei – Jadzia, Velaya und Fareniel – packten ihre Ausrüstung, legten die Schutzamulette und das Ankh an und machten sich zum Wegschrein nahe des Domus Phrasticus auf. Kalryssia und Sera Na blieben im Domus Phrasticus zurück, um ihren Plan voranzutreiben. Statt direkt nach Schildwacht zu reisen, wählten sie einen weiter südlich gelegenen Wegschrein – eine Konfrontation mit dem Schattenfürsten ohne Vorbereitung wäre riskant.

    Der Pfad nach Norden schlängelte sich durch die goldenen Dünen der Alik’r, gesäumt von Oasen mit Wassersammel-Zisternen unter schattigen Planen. Fareniels Neugier flammte auf: „Diese Becken sind genial. Wie funktionieren sie?“ Jadzia antwortete: „Die Planen hängen mittig durch. Nachts kondensiert die kühle Luft, und die Tropfen laufen zur Mitte, wo sie abtropfen.“

    Velaya staunte: „Unglaublich, dass das genug Wasser liefert, um ein Becken zu füllen.“ Die Rothwardonin nickte: „Es gibt Familien, die sich seit Jahrhunderten um diese Aufgabe kümmern und die Becken instand halten. Eine Tradition, die bis in die Ur-Heimat Yokuda zurückreicht - vor dem Exodus meines Volkes nach Hammerfell. Sie bewahren das Wissen um die Technik und die richtigen Materialien, probieren gelegentlich neue Ideen, die nicht immer gelingen. Einer meiner Onkel gehört zu einer dieser Familien. Er hat seinen Wohnsitz in Schildwacht und betreibt dort auch eine Werkstatt, mit der er Ersatzteile für diese Anlagen baut und verkauft.“
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    Fareniel fragte weiter: „Wie verdienen sie ihren Lebensunterhalt? Stammt das alles aus dem Wasserverkauf?“ „Teilweise.“ antwortete Jadzia. „Solange es genug Wasser gibt, gibt es keine Aufstände. Die Adeligen wissen um die Wichtigkeit dieser Aufgabe und sorgen dafür, daß die Familien gut versorgt sind. Es liegt in ihrem eigenen Interesse und stellt den Erhalt ihrer Macht sicher.“

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    Velaya, Jadzia und Fareniel in der Alik’r-Wüste werden von Jadzia über die Funktion der Wassersammel.Zisternen aufgeklärt

    Velaya, die Magierin, überlegte laut: „Hmmm ob man mit etwas Magie das Verfahren verbessern kann? Mit Magie könnte man ein Kraftfeld schaffen, das Verdunstung reduziert, mit einer selbstnachladenden Energiequelle. Welkyndsteine vielleicht? Die Kraft der Monde könnten sie möglicherweise jede Nacht aufladen. Wenn das alles hier vorbei ist, habe ich vielleicht Zeit, mich damit zu befassen…“ Jadzia nickte anerkennend: „Das wäre großartig. Wenn das gelänge, könnte man die Siedlungen in der Alik’r-Wüste sicher vergrößern, ohne die Versorgung zu gefährden. Momentan ist hier alles irgendwie limitiert. Mein Volk könnte Größeres leisten, wenn sie mehr Ressourcen hätten. Wie einst in Yokuda.“

    Als sie sich Schildwacht näherten, kroch ein beklemmendes Gefühl in ihre Knochen, vertraut von früheren Begegnungen mit den Schattenfürsten. Es wuchs mit jedem Schritt. Fareniel deutete auf Velayas Ankh: „Es reagiert!“ Tatsächlich blitzten magische Funken über die blaue Aetherium-Oberfläche.

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    Der Wegschrein von Schildwacht war nun in Sichtweite „Was ist denn das da?“ fragte Jadzia und deutete mit dem Finger in eine Richtung etwas westlich vom Wegschrein. Sie sahen eine Gruppe in Roben gehüllter Gestalten. Auf diese Entfernung war nicht zu erkennen, ob es Menschen, Elfen, Daedra oder was auch immer waren. Als sie sich näherten, sahen sie, das eine der Robenträger auf dem Boden lag und die anderen mit erhobenen Händen um die Gestalt herum standen.

    Velaya, die Bretonin, flüsterte: „Ein Ritual vermutlich. Sollen wir eingreifen?“ Die Hüterin schüttelte den Kopf „Nicht so voreilig. Wir wissen doch gar nicht, worum es dort geht.“ Die Templerin insistierte: „Wir sind hier in der Nähe einer von den Schattenfürsten belagerten Stadt...“ Die Magierin murmelte: „Jetzt könnten wir Sera Na brauchen, die mit ‚Meridias Schatten‘ sich in der Stadt ungesehen umschauen könnte, aber...“ Jadzia winkte ab „Jaja, schon klar. Sera Na steckt in ihrer Alchemieküche...“

    Velaya faßte einen Plan: „Ich gehe allein hin. Ihr bleibt zurück und greift nur ein, wenn nötig. “ Die anderen nickten. Mit gemessenen Schritten näherte sie sich den Kultisten, die sie zunächst ignorierten. Inzwischen war sie der Stadt so nahe gekommen, daß das Ankh immer heftiger aufblitzte. Das mußten die Kultisten einfach bemerken. Velaya machte sich auf einen Kampf gefasst, ließ sich das aber nicht anmerken und blieb äußerlich ruhig.
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    Es waren wohl tatsächlich Kultisten. Sie trugen die Roben von Totenbeschwörern, standen aber um einen lebenden Kultisten herum, der auf dem Boden lag. Ein merkwürdiger Singsang lag in der Luft. Einer der Kultisten murmelte ununterbrochen irgendwelche Beschwörungen, die anderen reagierten gelegentlich mit einem zustimmenden Laut. Sie schienen bei Bewußtsein zu sein, ließen sich von der Magierin aber im Moment nicht stören. Velaya wunderte sich, daß das Ankh keine Wirkung auf die Gruppe zeigte. Sie hatte erwartet, daß die Magie des Artefakts eine Reaktion auslösen würde.

    Jadzia und Fareniel hielten Abstand, bereit einzugreifen. Fareniels scharfe Augen scannten die Szene, ihr Bogen gespannt, der Kampfbär beschworen. Jadzia hielt ihre aetherischen Speere bereit. Fareniel, vertraut mit daedrische Kulte aus Kalthafen, murmelte: „Wenn das Ankh nicht reagiert, sind sie nicht besessen – sie handeln freiwillig.“ Jadzia nickte.

    Velaya testete es, indem sie das Ankh abnahm und einen Kultisten berührte. Keine Reaktion. Der Mann fuhr herum: „He, was soll das?“ OK, nun waren sie immerhin im Gespräch…
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    Zähes Vorankommen in Alinor
    Diego präsentierte Alwynarwe eine Auswahl erlesener Schmuckstücke, jedes sorgfältig ausgewählt, um die Eitelkeit der Stellvertreterin zu schmeicheln. Wie geplant bot er ihr einen guten, aber nicht verdächtig günstigen Preis. Mit diesen Juwelen würde Alwynarwe zweifellos ihre adeligen Rivalinnen in den Schatten stellen. Die Hochelfin zeigte sich entsprechend guter Laune, und Diego spielte die Rolle des Händlers mit der Präzision eines Schauspielers aus den Gassen von Wegesruh.

    Nun ging es um die Bezahlung. Alwynarwe lud den Meisterdieb dazu ein, mit ihm in die Schatzkammer zu kommen und deutete auf die schwere, mit Schnitzereien verzierte Tür hinter dem Thron: „Kommt mit und nehmt Eure Bezahlung entgegen.“ Diego ging davon aus, dass sie ihm die Schätze des Palastes vorführen wollte, vermutlich, um einen vermeintlich reichen Händler mit dem Reichtum des Aldmeri-Dominions zu beeindrucken.

    Bevor er einen Schritt tun konnte, trat Arwenarwe, die Leibwächterin, vor ihn und versperrte ihm den Weg. Ihre Haltung war unnachgiebig, ihre Augen durchbohrten ihn wie die eines Falken, der Beute wittert. Ihre Stimme blieb leise, um den Hof nicht in Aufruhr zu versetzen, doch sie war von unerschütterlicher Autorität. „Alwynarwe, Du weißt, daß das gegen das Protokoll verstößt. Fremde haben keinen Zutritt zu den Sicherheitsräumen! Niemals und unter keinen Umständen!“ Diego hielt inne und trat einen Schritt zurück, seine Sinne geschärft. Dass Arwenarwe ihre Cousine duzte, war ein Zeichen von Vertrautheit.

    Die Stellvertreterin winkte ab, ihre Miene eine Mischung aus Ungeduld und Arroganz. „Ach, Arwenarwe, sei nicht so misstrauisch. Dieser Händler handelt mit Kostbarkeiten, die selbst die Fürsten von Wegesruh neidisch machen würden. Was er in unserer Schatzkammer sieht, wird ihn kaum überraschen – oder gar zum Diebstahl verleiten.“ Arwenarwe hieß die Leibwache also. Er prägte sich den Namen ein. Doch die Leibwache blieb unnachgiebig: „Cousine, verwalte Du Dein Reich, wie Du es für richtig hältst, aber die Sicherheit in Alinor, besonders in diesem Palast, untersteht MEINER Verantwortung und ICH sage, dieser Bretone wird NICHT durch diese Tür gehen!“
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    Wieder hatte der Meisterdieb etwas erfahren, was ihm weiter half. Arwenarwe war Alwynarwes Cousine und damit auch die von Königin Ayrenn. Außerdem war sie Kommandantin der Sicherheit von ganz Alinor. Sie kannte diesen Typ Altmer… Ihre Pflichtbewusstheit war unerschütterlich, ein Fels in der Brandung, gegen den selbst Alwynarwes Machtzurschaustellung nichts ausrichten konnte. Doch Diego bemerkte eine Spur Frustration in Arwenarwes Blick, als sie ihre Cousine ansah, und ein kaum merkliches Zögern, als die Schatzkammer erwähnt wurde.

    Es war klüger, sich hier herauszuhalten und zu beobachten. Wußte Arwenarwe von dem Dämonenauge oder ging es ihr nur um den allgemeinen Schutz der Schatzkammer? Er würde sie wohl kaum einfach danach fragen können. Er mußte einen Weg an ihr vorbei finden, wenn er an das Dämonenauge heran wollte. Aber bei diesen Sicherheitsvorkehrungen im Palast konnte er immerhin davon ausgehen, dass noch niemand dieses Artefakt stehlen konnte und es immer noch hier war.

    Es brach ein Kräftemessen aus. Alwynarwe, deren Stolz offenbar herausgefordert war, hob das Kinn und sie versuchte sich durchzusetzen: „Arwenarwe, du kannst ihn ja begleiten und im Auge behalten. Und jetzt kommt, Händler!“ Sie winkte Diego zu sich und schritt entschlossen auf die Tür zu, ihre Bewegungen fast zu theatralisch, als spielte sie für ein unsichtbares Publikum.

    Ein scharfer Pfiff und eine Geste von Arwenarwe genügte, und sechs schwer gepanzerte Wachen umstellten Diego in einem Wimpernschlag. Ihre Rüstungen klirrten bedrohlich, und Arwenarwe selbst ragte vor ihm auf. Mit ihrer hochgewachsene Gestalt überragte sie den Bretonen deutlich - eine stumme Warnung. Damit war unmißverständlich klar gestellt, wer hier die Kompetenz in Sicherheitsfragen hatte und Alwynarwe seufzte kopfschüttelnd... Diego versuchte zu schlichten, hob die Hände und sagte. „Kein Problem, ich warte einfach hier und nehme hier meine Bezahlung entgegen. Ich möchte ja niemanden in Verlegenheit bringen...“
    Edited by Kalryssia on 30. December 2025 12:21
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    Für Alwynarwe war das offenbar schon ein Problem. Es zeigte, das ihre Macht hier nicht allumfassend war. Ihre Lippen wurden schmal. Diego beobachtete auch die anderen anwesenden Personen, die angesichts dieser Aufregung keine Mine verzogen. Daher vermutete er, dass solche Auseinandersetzungen zwischen den Cousinen keine Seltenheit waren und man daher am Hofe daran gewöhnt war. Die Wachen, handverlesen und loyal bis ins Mark, standen eindeutig hinter Arwenarwe – ein Bestechungsversuch würde zweifellos im Kerker enden – oder mit einem Schwert zwischen den Rippen...

    Diego mußte anerkennen, daß Arwenarwe völlig recht hatte und Alwynarwe wohl gelegentlich zu Leichtsinn neigen würde, wenn sie einen fremden Händler in ihren Sicherheitsraum ließe. Vielleicht ist dies eine Schwäche der Stellvertreterin, die er für seinen Zweck nutzen könnte. Alwynarwe verschwand kurz hinter der Tür und kehrte mit einer Schatulle voller Gold zurück, die sie Diego mit einem verächtlichen Blick in Arwenarwes Richtung überreichte. Die Sicherheitschefin erwiderte den Blick mit einem kaum merklichen Augenrollen, ihre Miene ansonsten wie aus Stein. Doch Diego entging nicht, dass Arwenarwes Hand kurz über dem Heft ihres Schwertes verharrte, als die Schatzkammer erwähnt wurde – ein Zeichen von Unbehagen, das nicht zwangsläufig ihm galt, sondern vielleicht etwas anderem.

    Alwynarwe wandte das Wort an Diego, ihre Stimme wieder in der königlichen Hoheitsform: „Es ist spät, und Wir wollen nicht, dass Euch auf dem Weg zu Eurem nächsten Ziel etwas zustößt. Daher laden Wir Euch ein, die Nacht im Quartier der Wachen zu verbringen. Es wäre Uns eine Freude, Euch später an Unserer Tafel mit Speis und Trank zu bewirten. Wir sind gespannt auf die Geschichten, die Ihr aus Tamriel mitbringt.“ Sie machte eine großzügige Geste, doch Diego spürte, dass sie ihre Autorität vor dem Hof unter Beweis stellen wollte.

    Arwenarwe meldete sich sofort zu Wort, ihre Stimme scharf wie eine Dwemer-Klinge. „Das ist höchst unüblich, Alwynarwe.“ Die Stellvertreterin hob die Hand, unterbrach die Leibwächterin und sprach mit fester Stimme: „DIES fällt nicht in Deinen Aufgabenbereich, Cousine, und verstößt nicht gegen das Protokoll!“ Arwenarwe entgegnete kopfschüttelnd: „Nur, weil das Protokoll diesen Fall nicht abdeckt. Ich habe schon lange beantragt, diese Sicherheitslücke zu schließen. Es ist leichtsinnig, einen Fremden so nah an den Palast zu lassen – er könnte die Sicherheitsvorkehrungen ausspionieren!“
    Edited by Kalryssia on 30. December 2025 12:13
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    Diego mußte innerlich schmunzeln „Verdammt ist die gut!“ dachte er... „Die hat wirklich den völligen Durchblick, ganz im Gegensatz zu der Regentin. Die wird wohl sehr kompetent in Regierungsgeschäften sein, sonst hätte Königin Ayrenn sie damit nicht beauftragt, aber sicherheitstechnisch ist sie ziemlich blauäugig. Kein Wunder, daß die Königin die Sicherheit an ihre Cousine Arwenarwe übertragen hat...“

    Diesmal aber ließ Alwynarwe nicht locker. Diego wurde klar, daß das die Fortsetzung des Kräftemessens von vorhin war. Ihre Eitelkeit war wohl herausgefordert. Sie hob erneut die Stimme: „Und solange diese Lücke im Protokoll nicht geschlossen ist, ist es mein Recht, diesen Händler dazu einzuladen, im Quartier der Wachen zu übernachten. Ende der Diskussion, Arwenarwe!“ Ihre Stimme war scharf, ein Zeichen ihrer Gereiztheit. Sie verzichtete erneut auf die Hoheitsform, was nur durch die jahrelange Vertrautheit mit ihrer Cousine erklärbar war. Diego bemerkte, wie Alwynarwe die Hand an die Schläfe legte, als wäre sie es leid, diesen Streit erneut zu führen.

    Es gefiel der Leibwächterin gar nicht, aber rein sachlich konnte sie diesmal ihre Bedenken nicht durchsetzen. Also gab sie sich geschlagen – zumindest vordergründig. Sie wandte sich den Wachen hinter dem Thron zu und flüsterte ihnen etwas zu, ihre Finger bewegten sich in einer kaum wahrnehmbaren Geste – ein geheimes Signal? Diego war sich sicher, dass sie Anweisungen gab, ihn keine Sekunde aus den Augen zu lassen. Die Befehle wurden sicher auch an die anderen Wachen weiter gegeben.

    Während er Alwynarwe und den Wachen nach draußen folgte, arbeitete sein Verstand auf Hochtouren. Ein direkter Zugriff auf die Schatzkammer war aussichtslos, solange Arwenarwe die Kontrolle hatte. Vielleicht brauchte er eine Planänderung?
    Edited by Kalryssia on 30. December 2025 12:24
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    Kargstein; Karawane zum Domus-Phrasticus

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    Belkarth in Kargstein

    Inzwischen hatten der uns immer noch namentlich unbekannte Held, Chester, Nilfton und Korn Belkart in Kargstein erreicht. Der Kaiserlichen-Magier wollte noch einige Vorkehrungen treffen. Zusammen suchten sie erst einmal die Gildenhalle der Magier- und Kriegergilde von Belkarth auf. Nilfton hatte unterwegs an einem Bericht für die Akademie von Winterfeste gearbeitet. Die Magiergilde sollte diesen Brief per Boten dem Erzmagier Vanus Oberon in der Akademie von Winterfeste zustellen.

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    Gildenhalle von Belkarth
    Edited by Kalryssia on 24. January 2026 09:12
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    Nilfton erklärte seinen Kameraden: „So weiß der Erzmagier Bescheid und kann eventuell schon weitere Studien anstellen und Vorbereitungen treffen. Außerdem sind unsere Schritte dokumentiert, sollte uns etwas zustoßen. Dann muß jemand anderes die Aufgabe vollenden.“ Sie entrichteten in der Magiergilde eine Gebühr und legten für den beschwerlichen Weg des Boten noch ein ordentliches Trinkgeld drauf, damit er die Aufgabe auch wirklich gerne und gewissenhaft erledigt.

    Das Drachenauge gaben sie ihm jedoch nicht mit. Erstens reichte ihr Vertrauen nicht so weit, dieses durchaus gefährliche Artefakt in die Hände eines Unbekannten zu geben, der dadurch überdies zu einem Primärziel für die gegnerischen Kräfte werden würde. Zweitens müßten sie es sowieso im Domus Phrasticus zusammen mit dem hoffentlich bald verfügbaren Dämonenauge verarbeiten. Nilfton hatte aber eine genaue Gegenstandbeschreibung mit ordentlichen Detailzeichnungen in seinen Bericht aufgenommen, wie man es ihm einst in der Magiergilde beigebracht hat.

    Der nächste Weg führte in die Taverne von Belkarth. Die Gruppe stapfte durch die staubigen Straßen, während die Sonne unbarmherzig auf sie niederbrannte. Der Wind trug das ferne Heulen eines Wüstenwolfes an sie heran. Chester zog seinen Umhang enger, als wolle er die Hitze abschirmen und den Staub fernhalten. „Hoffentlich hat die Taverne etwas Kühles zu trinken“ murmelte er. Die Taverne war ein gedrungener Bau aus Sandstein im typischen Baustil der Rothwardonen, durch dessen Ritzen der Wüstenstaub wehte. Der Geruch von saurem Bier und gebratenem Skorpion-Fleisch lag schwer in der Luft. Dort rasteten sie erst einmal und kamen mit anderen Reisenden ins Gespräch.

    Sie erkundigten sich beim Wirt auch nach dem Weg zum Domus Phrasticus. Dieser verwies sie auf eine Karawanenführerin namens Ri’Saad. Die Khajit erklärte ihnen: „Eine der Bewohnerinnen des Anwesens, eine Waldelfe namens Fareniel, war in der Stadt und hat einen Großeinkauf gemacht. Die Waren liegen am Karawanen-Sammelpunkt. Diese muß also sowieso dort hin. Wenn Ihr meine Karawane vor Banditen beschützt, die es hier massenweise gibt, könnt Ihr mit mir dort hin gehen. Diese erwartet dann aber auch, daß Ihr mir beim Auf- und Abladen helft. Dafür verlange ich auch ausnahmsweise keine Gebühr für diese Dienstleistung.“
    Edited by Kalryssia on 24. January 2026 09:13
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    „Diese raffinierte kleine Khajit...“ dachte sich Chester. „So spart sie sich die Wachen und die Träger für den Job. Profitmaximierung!“ Den verschmitzt grinsenden Gesichtern seiner Kameraden entnahm er, daß sie wohl ähnliche Gedanken hatten. Die vier Männer berieten sich kurz und stimmten dem Vorschlag der Händlerin schließlich zu. Es war ja auch nicht zu viel verlangt.

    Nachdem sie sich mit Ri’Saad geeinigt hatten, verließen sie die stickige Taverne. Der Karawanen-Sammelpunkt lag am Rande der Stadt, wo Echateren unruhig schnaubten und der Sand unter ihren Füßen knirschte. Wie vereinbart halfen sie beim Verladen der Ware auf die Lasttiere und machten sich auf den Weg.

    Etwa auf halbem Wege zum Anwesen erspähte der Rothwardonen-Krieger Korn auf einem der Hügel eine Gestalt und meldete: „Da! Da beobachtet einer unsere Karawane!“ Die Karawane hielt kurz darauf inne. Chester hatte als Hüter ein sehr gut geschultes Auge und ergänzte: „Das sind mehr als nur dieser Späher!“ Die Khajit-Händlerin antwortete: „Der steht da nicht zum Vergnügen. Die Kleidung weist ihn als einen der lokalen Banditen aus!“ Der Namenlose fragte: „Sollen wir sie vermöbeln?“ Das gefiel Ri’Saad nicht. „Nur wenn es nötig ist. Die Tiere könnten durchgehen und dann verlieren wir die Waren. Und das wissen die Banditen!“

    Die Banditen hatten bemerkt, daß sie entdeckt wurden und verließen ihre Deckung nun. Es waren mindestens acht, wieviele noch im Verborgenen lauterten, war unklar. Als sie sich näherten, kam einer von ihnen schneller auf die Karawane zu, als die anderen. Die Khajit wußte, was nun kommen würde: „Sie werden Schutzgeld fordern, damit wir weiter gehen können. Normalerweise bezahle ich, da der Verlust der Ware in der Regel teurer ist…“

    „Aha. Zum Kampf kommt es also nur selten?“ fragte Nilfton. Die Khajit nickte. „Es besteht auch für die Banditen ein Risiko, Verluste zu erleiden. Nur deswegen begnügen sie sich meistens mit einem Wegzoll.“ Der Unterhändler der Banditen hatte sich inzwischen so weit genähert, daß sie miteinander reden konnten. Die Khajit meinte zu der Männergruppe: „Laßt mich das regeln, ja? Nur kämpfen, wenn es sein muß!“
    Edited by Kalryssia on 24. January 2026 09:15
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    Der Unterhändler meinte: „Aaaah, schön, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Eine unsere besten Kundinnen in Kargstein...“ Die Khajit antwortete: „Siehst Du diese Männer? Sie sind äußerst fähige und berühmte Krieger. Überziehe also diesmal nicht Deine Forderungen! Also? Wieviel willst Du diesmal?“ Der Unterhändler sagte: „Nun, dann schauen wir mal, was wir hier überhaupt haben...“ Er war ziemlich frech. Er bewegte sich zwischen den Echateren, als wären es seine eigenen und inspizierte die Ware. Korn ärgerte dies. Er legte seine Hand auf sein Schwert, ging einige Schritte vorwärts und gab ein deutliches Knurren in Richtung des Banditen, der sich zu ihm umdrehte und unwillkürlich etwas zurück wich, nur um Korn dann frech anzugrinsen. Eine Fassade, mehr nicht. So sicher,wie der Unterhändler tat, war er nicht!

    Während der Unterhändler die Ware inspizierte, flüsterte Chester dem Drachenritter zu: „Guck dir den an, spielt sich auf wie’n Anführer der Kolonie. Soll ich ihm ’ne Frostrune unter die Füße zaubern?“ Der Drachenritter schüttelte dezent den Kopf. Einen Augenblick später ging Chester auf Korn zu, legte seine Hand auf seinen Brustpanzer und hielt ihn zurück: „Warte noch!“ flüsterte er ihm zu.

    „Da sind wirklich ein paar erlesene Waren dabei... 1000 Gold und Du kannst unter unserem... Schutz... weiter ziehen!“ forderte der Bandit. Korn ging kopfschüttelnd auf die Khajit-Händlerin zu und erklärte ihr: „Keinen Kupferling kriegt der Kerl! Das haben wir wirklich nicht nötig!“ Ri’Saad, die Händlerin antwortete: „Laß es, ich bezahle! So läuft das nun mal in Kargstein. Das ist in den Kaufpreis der Ware sozusagen als ‚Versicherung‘ einkalkuliert.“

    Wäre Kalryssia anwesend gewesen, hätte sie ihren Drachen-Freund Durnehviir rufen können. Das hätte bestimmt als Bedrohung ausgereicht, um das Lumpenpack zu vertreiben. Doch die hatte im Moment ihre eigenen Aufgaben im Domus Phrasticus zu erledigen.
    Edited by Kalryssia on 24. January 2026 09:16
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    Nun trat der Namenlose Drachenritter heran und flüsterte: „Dort, wo wir herkommen, beugen wir uns nicht solchem Lumpenpack, außer vielleicht, sie sind wirklich überlegen. Dann aber kehren wir später zurück und bringen die Dinge wieder in Ordnung...auf die eine oder andere Weise...!“ Er stieß eine Sequenz schriller Pfiffe aus. „NEIN!“ rief Ri’Saad „NICHT!“

    Doch es war entschieden. Die Männer kämpften schon lange Seite an Seite und hatten ihre Geheimsprache. Die Pfiff-Sequenz bedeutete: „Bedrohungshaltung aufbauen! Noch nicht kämpfen!“. Nilfton zauberte einen Flammenatronach herbeil. Chester beschwor seinen Kampfbären. Der Drachenritter und der Krieger Korn luden all ihreVerteidigungsfähigkeiten auf. Der Drachenritter klopfte rhythmisch mit seinem Schwert auf seinen Schild. Nilfton stand mit seinem Magierstab in Bereitschaftshaltung; seine Hände leuchteten feuerrot. Chester gab eine kleine Kostprobe seiner Frostmagie ins Nichts und zauberte eine Frostrune in den Sand von Kargstein. NOCH hielten sie sich zurück…

    Vier Bogenschützen der Banditen tauchten aus dem Hintergrund auf. Sie hatten sich bisher nicht gezeigt. Nun hatten sie es also mit zwölf Banditen zu tun. Sie waren klar in der Überzahl. Der Unterhändler zog sich langsam rückwärts gehend zu seiner Bande zurück. Die Banditen konnten ihre Verunsicherung nicht verbergen. Sie redeten aufeinander ein, ohne daß die Männer verstehen konnten, was sie sagten. Dabei fuchtelten sie mit Gesten umher.

    Die Bogenschützen legten an und... feuerten. Doch Nilfton fing die Pfeile mit einem Feuerschild vor der Gruppe ab und ließ sie zu Asche zerfallen. Chester zauberte eine eisige Windhose und schickte sie den Banditen als kalten Gruß. Tödlich war das nicht, aber es bereitete in dieser Halbwüstenlandschaft sichtliches Unbehagen. Der Drachenritter und Korn hatten sich vor Chester und Nilfton aufgebaut. An den beiden müßten die Nahkämpfer erst einmal vorbei.
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    Den Banditen wurde klar, daß sie diesmal einen Blutzoll zahlen müßten, wenn sie stur blieben. Der Unterhändler hob die Hand und pfiff seine Bande mit einer kreisenden Handbewegung zurück. Dann richtete er mit geballter Faust das Wort an die Khajit-Händlerin: „OK, DIESMAL hast Du gewonnen. Aber nächstes Mal bist Du nicht so gut beschützt und dann bezahlst Du das Doppelte, das verspreche ich Dir!“ Die Banditen machten auf dem Absatz kehrt und zogen ab.

    Die Karawane machte an einer zerklüfteten Felsformation Halt, die wie die Überreste eines uralten Wachturms aus dem Sand von Kargstein ragte. Die Echateren schnaubten leise, ihre Schuppen glänzten im grellen Sonnenlicht, während die Hitze die Luft in flimmernde Wellen verwandelte. Ri’Saad, die Khajit-Händlerin, kniete bei einem der Lasttiere und zurrte die Gurte mit unnötiger Heftigkeit fest. Ihre Ohren zuckten vor Ärger, und ihr Schweif peitschte rhythmisch gegen den Boden, als wolle er den Sand selbst bestrafen.

    „Ihr habt keine Ahnung, was ihr angerichtet habt“, fauchte sie, ohne die Gruppe anzusehen. „Diese Banditen… die vergessen nicht. Und ich bin diejenige, die’s ausbaden muss. Nächstes Mal werden sie mich doppelt bluten lassen – wenn ich Glück habe.“ Ihre Stimme war scharf, aber ein Hauch von Resignation schwang darin mit, als ob sie solche Kämpfe schon hundertmal geführt hätte.

    Korn lehnte an einem Felsen, seine verzauberte Zweihandaxt quer über den Schoß. Die schwache Rune, die der Dunmer in Winterfeste eingearbeitet hatte, schimmerte wie ein ferner Stern. „Was hätten wir tun sollen, Katze?“ brummte er. „Zusehen, wie die dich ausnehmen? In Hammerfell nennt man so was Feigheit. Oder Schlimmeres.“ Doch seine Augen verrieten eine Spur Unsicherheit. In der Kolonie hatte er gelernt, dass ein Sieg manchmal nur ein Aufschub für größeren Ärger war – wie damals, als sie die falschen Priester herausforderten und die Schatten kamen.
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    Chester hockte im Sand, einen frischen Krautstängel im Mundwinkel, dessen brackiger Geruch an ein Leben im Sumpf in früheren Zeiten erinnerte. „Weißte, Ri’Saad“, sagte er und blies eine Rauchwolke in die heiße Luft, „in der Kolonie gab’s auch Typen, die Schutzgeld wollten. Haben’s nicht lang gemacht, wenn sie’s mit den Falschen zu tun hatten. Ein paar Frostzauber, ’n bisschen Geschrei, und zack – weg waren se.“ Er zwinkerte, aber sein Blick wanderte zu Nilfton, der abseits stand und das Drachenauge in seiner Hand betrachtete.

    Nilfton hielt das Artefakt vorsichtig, als könnte es ihn beißen. Es pulsierte schwach, ein rhythmisches Glühen, das sich wie ein Herzschlag anfühlte. Für einen Moment glaubte er, ein Flüstern zu hören – „ZIN… KRON…“ Ehre. Eroberung. Die Worte hallten in seinem Kopf wider, alt und schwer wie die Drachensprache selbst. Er schüttelte den Kopf, doch das Gefühl blieb, als ob unsichtbare Augen ihn aus der Ferne beobachteten. „Das Drachenauge… es ist unruhig“, murmelte er. „Als ob es nach etwas ruft… oder vor etwas warnen will.“

    Der Namenlose Drachenritter, der bisher geschwiegen hatte, trat näher. Seine Plattenrüstung klirrte leise, und seine Hand lag locker am Schwertgriff, als erwarte er jeden Moment einen Angriff. „Die Schattenfürsten“, sagte er mit einer Stimme, die so ruhig war, dass sie die Wüstenhitze zu kühlen schien. „Sie wissen, dass wir das Drachenauge haben. In Winterfeste… das Flüstern in der Bibliothek. Es war kein Zufall.“ Sein Blick bohrte sich in das Drachenauge, als ob er die Geheimnisse hinter seinem Glanz sehen könnte. In der Kolonie hatte er gelernt, dass Schatten selten allein kamen – und dass Artefakte wie dieses mehr verbargen, als sie preisgaben.

    Ri’Saad schnaubte, ihre Krallen klickten gegen einen Gurt. „Schattenfürsten, Drachen, Artefakte… ihr redet, als wärt ihr in einer von diesen Barden-Geschichten, die sie in den Tavernen singen. Aber hier in Kargstein zählt nur eines: Überleben.“ Sie richtete sich auf, ihre gelben Augen funkelten wie polierter Bernstein. Nilfton entgegnete: „Was ist mit den Behörden in Belkarth und der dortigen Ordnungsmacht? Sollten die nicht die Handelswege schützen?“ „Die Behörden? Pah! Die kassieren ihren Anteil von den Banditen. Jeder Händler hier weiß das. Und wenn ich das nächste Mal durchkomme, werden sie mich für eure kleine Heldentat bluten lassen. Oder Schlimmeres.“
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    Nilfton senkte das Drachenauge, seine Finger zitterten leicht, sein Gesichtsausdruck zeigte Betroffenheit. Chester legte seine Hand auf die Schultern der Khajit und sagte: „OK, jetzt verstehe ich es. Und ich gebe Dir ein Versprechen. Wir werden das nicht darauf beruhen lassen. Wenn wir fertig sind, räumen wir hier auf. Wir kommen zurück und sorgen für Ordnung!“ Seine Stimme war fest, aber die Erinnerung an Winterfeste – das Flüstern, die Schatten – ließ ihn zweifeln, ob sie dieses Versprechen halten konnten.

    Ri’Saad lachte bitter, ein Laut, der mehr wie ein Knurren klang. „Große Worte, Hüter. Ich hab schon viele Helden gesehen. Die meisten enden als Futter für die Skorpione oder die Wüstenwinde.“ Doch ein Funke Hoffnung blitzte in ihren Augen auf, auch wenn sie es nicht zugab. Sie wandte sich wieder den Echateren zu, als wolle sie die Unterhaltung beenden.

    Plötzlich flackerte das Licht des Drachenauges, ein grelles Pulsieren, das den Sand um Nilfton herum in unheimliches Rot tauchte. Ein kalter Windhauch zog durch die Wüste, obwohl die Sonne unbarmherzig brannte. Ein Schatten huschte über den Boden – zu schnell für einen Vogel, zu gezielt für einen Windstoß. Der Namenlose hob seinen Schild, die Bewegungen präzise und ruhig, während Korn aufsprang und seine Axt griff. „Was zur Hölle war das?“ knurrte er, seine Augen suchten die Dünen ab.

    Chester spuckte seinen Krautstängel aus und zog eine Frostrune in den Sand, bereit, seine Magie zu entfesseln. „Fühlt sich an wie einst in der Kolonie“, murmelte er. „Als der Große wach wurde und die Schatten kamen.“ Seine Hand zitterte leicht, aber sein Grinsen blieb.

    Nilfton starrte auf das Drachenauge, das jetzt wie ein glühendes Auge in seiner Hand lag. „Es spürt etwas“, flüsterte er. „Die Schattenfürsten… oder etwas, das mit das ganzen Sache zusammenhängt. Es ist da draußen, irgendwo in Kargstein.“ Das Flüstern kehrte zurück, diesmal klarer: „FEN… KRON… ZIN.“ Wille. Eroberung. Ehre. Die Worte vibrierten in der Luft, und für einen Moment glaubte Nilfton, eine Gestalt in der Ferne zu sehen – eine Silhouette, die in der Hitze flimmerte, mit Augen, die wie glühende Kohlen schimmerten.
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    Ri’Saad wirbelte herum, ihre Krallen ausgefahren. „Was ist das für ein Hexenwerk?“ fauchte sie. „Euer verdammtes Artefakt wird uns noch alle ins Grab bringen!“

    Der Namenlose Drachenritter trat vor, seine Stimme ruhig, aber gebieterisch. „Beruhige dich, Ri’Saad. Das Drachenauge ist ein Schlüssel, aber auch eine Warnung. Das Dämonenauge… es ist irgendwo in der Welt da draußen. Und die Schattenfürsten wissen, dass wir danach suchen.“ Er wandte sich an Nilfton. „Schreib das Flüstern auf. Jedes Wort. Vielleicht brauchen wir die Hinweise noch.“

    Nilfton nickte, zog ein kleines Notizbuch hervor und kritzelte die Worte der Drachensprache hinein, während das Drachenauge in seiner Hand weiter pulsierte. Korn brummte: „Wenn das Ding uns Ärger macht, zerschlag ich’s mit meiner Axt. Verzaubert oder nicht.“ Doch sein Grinsen zeigte, dass er es nicht ernst meinte – zumindest nicht ganz.

    Ri’Saad schüttelte den Kopf, ihre Ohren flach anliegend. „Ihr seid verrückt. Alle miteinander. Aber wenn ihr mich schon in diesen Schlamassel gezogen habt, dann bringt ihr mich auch lebend zum Domus Phrasticus.“ Sie wandte sich den Echateren zu. „Los, packt zusammen. Die Sonne steht nicht still, und ich will vor Einbruch der Nacht dort sein.“

    Die Gruppe machte sich bereit, die Rast zu beenden, doch das Flüstern des Drachenauges hallte in ihren Köpfen nach. Die Schattenfürsten waren nah – näher, als sie dachten. Und irgendwo auf Nirn wartete das Dämonenauge darauf, gefunden zu werden – oder sie zu finden.
    Edited by Kalryssia on 24. January 2026 11:52
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